Ernährung

Brexit: Britische Landwirtschaft vor dem Aus?

Gestern hat die britische Bevölkerung für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union gestimmt. In einer knappen Entscheidung entschlossen sich die Briten, dass sie die EU verlassen wollen, da sie u.a. mehr Geld einzahlen, als sie wieder zurückbekommen. Großbritannien gilt gerade in Bereichen wie die Gemeinsame Agrarpolitik als Nettozahler – ein Argument, das gerne von als populistisch geltenden Euroskeptikern aufgegriffen wurde. Was wahrscheinlich erst mal für einige gut klingt, kann sich als desaströs herausstellen. Denn eine bereits 2015 veröffentlichte Studie zeigt: der Brexit könnte sogar für 90% aller Landwirte das Aus bedeuten.

Auf Subventionen angewiesen

Britische Landwirte bekommen bislang jedes Jahr gut 3 Milliarden € an Fördergeldern aus der EU – das sind geschätzt 55% aller Einnahmen von landwirtschaftlichen Betrieben. Wenn diese Zahlungen wegfallen, kommen sie in ernste Schwierigkeiten. Und das ist noch nicht alles: denn wenn potentiell nach dem EU-Austritt die Freizügigkeit beschränkt wird, bedeutet das auch einen erschwerten Zugang zu saisonalen Arbeitskräften. Auf denen basiert nicht nur der Obst- und Gemüseanbau, sondern auch die Tierhaltung, wie z.B. die Milchwirtschaft. Das Wegfallen von billigen Arbeitskräften aus dem EU-Ausland kann in Zukunft die Produktionskosten deutlich in die Höhe treiben. Auch ist nicht ganz klar, inwieweit die britische Landwirtschaft wegen eventueller Handels- und Zollbarrieren auf dem europäischen Markt konkurrenzfähig bleiben kann.

Eine Chance für die britische Landwirtschaft

Natürlich ist es klar, dass die britische Regierung diese Situation nicht zulassen kann und wird – immerhin werden 62% aller Lebensmittel, die in Großbritannien gegessen werden, auch dort produziert . Es ist also eher unwahrscheinlich, dass die Regierung die Subventionen nicht zumindest größtenteils erhält und sich nicht für weniger Handelsbeschränkungen einsetzen wird. Die Jahre, in denen die Ausstiegsbedingungen verhandelt werden, könnten jedoch dazu genutzt werden, um eine nachhaltige Agrarwende herbeizuführen. Da die GAP-Zahlungen in einigen Jahren wohl ausbleiben werden, bleibt der Weg offen die staatlichen Subventionen an tier- und umweltfreundliche Kriterien zu binden und mit der Förderung einer bioveganen Landwirtschaft zu zeigen, dass der Austritt aus der EU in dem Bereich betrachtet doch kein Fehler war.

Über den Autor

Andrzej

Andrzej ist Koordinator für Osteuropa bei PETA Deutschland und ist am Ausbau der Tierrechtsbewegung in dieser Region interessiert.

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