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Verlosung: Artgerecht ist nur die Freiheit von Hilal Sezgin

Streicheln oder schlachten? – ein Gastbeitrag von Patrick Spät zum neuen Buch von Hilal Sezgin „Artgerecht ist nur die Freiheit“

„Seid gut zu den Menschen, zu den Pflanzen und zu den Tieren! Hetzt weder Menschen noch Tiere, noch fügt ihnen Leid zu!“ Das forderte der chinesische Philosoph Laozi vor rund 2600 Jahren. Seitdem hat sich die Lage der Tiere nicht gerade verbessert; im Gegenteil: Pro Jahr werden weltweit 65,5 Milliarden Tiere geschlachtet – ganz zu schweigen von den 2.700 Milliarden Fische, die jährlich gefangen werden. Zum Vergleich: Seit der Steinzeit haben rund 100 Milliarden Menschen auf der Erde gelebt. Das Tiermorden ist also gigantisch, wie Hilal Sezgin in ihrem neuen Buch Artgerecht ist nur die Freiheit anprangert: „Wir schlachten in anderthalb Jahren mehr Tiere, als je Menschen auf der Erde gelebt haben. Was ist in diesem Zusammenhang also radikal: Das Plädoyer für ein Ende des Gemetzels – oder das Gemetzel?“

Hilal Sezgin, die als freie Autorin und Veganerin einen Gnadenhof für Tiere in der Lüneburger Heide betreibt, trägt ihr Plädoyer mit wohlbedachten Argumenten vor. Für Sezgin sind all jene Tiere schützenswert, „die bewusste Subjekte ihres Lebens sind.“ Damit fallen dann aber zum Beispiel Schnecken unter den Tisch bzw. in den Kochtopf. Das „riecht ein wenig nach Vorurteil“ bekennt auch Sezgin, dennoch beschränkt sie ihre Tierethik auf Wirbeltiere. Die zentrale Frage lautet für die Autorin: „Ist es in Ordnung, wenn für das, was ich mir auf mein Brot lege, ein anderes Wesen leiden muss?“ Und sie gibt sogleich die Antwort, indem sie gegen einen überzogenen ‚Speziesismus‘ argumentiert: „Allein die Zugehörigkeit zu einer Spezies kann nicht relevant sein. Es sind nicht die Chromosomen, die uns zu Trägern bestimmter Rechte machen.“

Was aber verleiht den Lebewesen dann bestimmte Rechte? Es geht weniger darum, dass wir die Tiere leben lassen sollen – sondern darum, dass die Tiere selbst leben wollen. Tiere zeigen einen Lebensdrang, sie streben bestimmte Empfindungen an und meiden andere, sie sagen Ja zum Leben, und deshalb haben sie ein Recht auf Leben.

Folgerichtig argumentiert Sezgin, dass wir die Tiere gleich zwei Mal ihres Lebens berauben: „Nicht erst am Ende, wenn wir sie töten, sondern bereits vorher, weil wir sie all dessen berauben, was ein Leben ausmacht.“ Tiere sind keine reinen Fress- und Kotmaschinen, sie wollen nicht nur mit Nahrung versorgt werden, sondern selbstbestimmt ihre Nahrung suchen, jagen oder pflücken. Tiere wollen ihre Umwelt erkunden, spielen und Sex haben.

artgerecht-sezgin-270x447Aber ebendiese Natur selbst ist doch grausam, mögen Kritiker einwenden: Maulwürfe beißen Regenwürmen den Kopf ab, um sie reglos aber lebendig in ihren unterirdischen Vorratskammern zu halten. Und manche Haie fressen ihre Schwestern und Brüder bereits im Mutterleib. Müssen wir dann in die Natur eingreifen, um die Natur vor sich selbst zu schützen? Dieser Debatte, die unter dem Stichwort „policing nature“ läuft, erteilt Sezgin eine klare Absage: Wildtiere haben zwar Rechte uns gegenüber, aber nicht gegenüber ihrem natürlichen Feinden. Es gibt in ihrem Lebensraum schlichtweg keine moralischen Akteure.

Der Mensch jedoch ist ein moralischer Akteur. Er schreibt sich sogar auf die Fahnen, die Gewalt gegen andere Menschen zu kriminalisieren und pathologisieren – aber die Gewalt gegen Tiere ist legalisiert und institutionalisiert. Hilal Sezgin legt den Finger in die Wunde der blutigen Steaks, die tagtäglich verputzt werden. Ein engagiertes, kämpferisches und aufrüttelndes Buch. Die Schweine von heute sind die Schinken von morgen, lautet ein Sprichwort. Mögen sie (und die anderen Tiere) spätestens nach diesem Buch einfach nur leben und wieder Schweine sein dürfen.

Hilal Sezgin: Artgerecht ist nur die Freiheit. Eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen, München: C.H. Beck 2014, 301 Seiten, 16,95 Euro.

 

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Dies ist ein Gastbeitrag von Patrick Spät (*1982), er lebt als freier Journalist und Autor in Berlin. Zuletzt erschien von ihm: Das Leben – und der Sinn des Ganzen, Stuttgart: Schmetterling Verlag, 2013. Seinen Blog findet Ihr unter http://patrickspaet.wordpress.com

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Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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