Bekleidung Wolle

PETAs „Lamm“ war nicht echt – doch der Missbrauch in der Wollindustrie ist allzu real

Ein Gastkommentar von Jason Baker, Director of Campaigns bei PETA Australia.

Es ist nicht überraschend, dass PETAs jüngstes Anzeigenmotiv mit Jona Weinhofen in den letzten Wochen einige Farmer in Australien auf die Palme brachte. Doch die Kommentare wütender Ex-Veganer und Verteidiger der Wollindustrie sind mit Vorsicht zu genießen. Schließlich wird sich wohl kaum jemand, der aus der Ausbeutung von Tieren Profit schlägt (oder eine Rechnung mit PETA zu begleichen hat), mit dem wahren Problem beschäftigen: Dem perversen Missbrauch von Schafen in der Wollindustrie.

Dieses peta2-Motiv mit Gitarrist Jona Weinhofen hat in Australien große Welle geschlagen.

Lassen Sie mich eines zuerst klarstellen: Ja, das „blutige Lamm“, das in dem Bild zu sehen ist, ist nicht echt. Warum ist das schockierend? Selbstverständlich würde PETA niemals einem echten Lamm so etwas antun oder eine Leiche von einer Schafsfarm stehlen und diese für ein Anzeigenmotiv nutzen.

Für das PETA-Motiv kam kein Tier zu Schaden – was man von der hochgelobten Gegenkampagne eines südaustralischen Landarbeiters nicht gerade behaupten kann. Ein kleiner Tipp: Wenn man den Menschen vermitteln will, dass das Scheren von Schafen nicht schädlicher ist, als ein ganz normaler Haarschnitt, dann sollte man sich nicht mit einem geschorenen Schaf fotografieren lassen, das deutlich sichtbare Schnitte am Bauch hat.

Diese Gegenkampagne beweist im Grunde nur, was PETA den Menschen klarmachen will: Die Schafschur ist ein gewaltsamer Prozess, aus dem die sanften Tiere ramponiert und blutig hervorgehen.

In der Wollindustrie ist Zeit Geld. Da die meisten Scherer pro geschorenem Tier bezahlt werden, wollen sie so schnell wie möglich arbeiten. Das Wohl der Schafe bleibt dabei meist auf der Strecke. Eine internationale Recherche von PETA USA tauchte in die Scherindustrie ein und deckte auf, dass ungeduldige Arbeiter Schafe schlugen, ihnen mit scharfen Metallschermaschinen in den Kopf stachen, sie traten, ihnen in die Augen griffen, ihren Hals verdrehten und sie zu Boden warfen. Die Schafe werden so schnell geschoren, dass sie häufig schlimme Schnitte davontragen. Klaffende Wunden werden von den gestressten Arbeitern mit Nadel und Faden zugenäht – ohne den Einsatz von Schmerzmitteln. Die Ermittler stießen in jedem einzelnen untersuchten Schurstall auf ähnlichen Missbrauch.

Würde ein Tierarzt einen Hund oder eine Katze so behandeln, wie die Scherer ein Schaf, würde ihm seine Lizenz im Handumdrehen entzogen.

Und das war nicht das erste Mal, dass Arbeiter die Schafe beim Scheren misshandeln. 2013 sagte Sam Beechey, Koordinator der Australian Workers Union für Weideindustrie, dem Sender ABC Rural, einige Scherer würden ihre Frustration an den Schafen auslassen. Er habe Scherer dabei beobachtet, wie sie Schafen in die Augen drückten und ihnen den Kiefer brachen. „Es ist eine Schande, eine absolute Schande“, so Beechey.

Ein pensionierter Scherer sagte ABC Rural, auch er sei „empört“ über den Missbrauch, den er jahrelang beim Scheren beobachtet habe. Die meisten Farmer würden diesen jedoch einfach hinnehmen.

Um den schlimmsten Formen des Missbrauchs vorzubeugen, fordern Mitglieder der Liberal Party in Victoria Drogentests für Scherer, bevor sich diese zur Arbeit melden. Robert Lawrence, Farmer aus Vasey und Abgeordneter der Liberal Party, stellt seit 15 Jahren selbst Scherer an. Er erklärte dazu: „Einmal hat ein Scherer innerhalb von zwei Tagen 14 Beine (von Schafen) beim Scheren gebrochen. … Alle Tierschutzproblematiken in meinem Stall standen im Zusammenhang mit Drogenmissbrauch.“

PETA geht noch einen Schritt weiter und fordert Überwachungskameras in allen Schurställen. Vertreter der Wollindustrie betonen stets, die Schafe würden zu jedem Zeitpunkt human behandelt – so könnten sie den Beweis liefern. Stattdessen setzen sich Industrievertreter zusammen mit Landwirtschaftsminister Barnaby Joyce für ein Gesetz ein, wonach Ermittlungen in Farmbetrieben als Straftat gelten würden. Ohne Transparenz in der Landwirtschaftsindustrie sind solche Ermittlungen jedoch häufig die einzige Möglichkeit, den Missbrauch aufzudecken, der hinter den verschlossenen Türen von Farmen und Schlachthöfen stattfindet. Sollten wir nicht den Tiermissbrauch selbst kriminalisieren, anstatt der Personen, die ihn ans Licht bringen?

Wenn die Bedingungen in den Schurställen zu schlimm sind, um sie über öffentliche Webcams zu übertragen, dann sollten sie – für die Wollindustrie und Konsumenten – auch zu schlimm sein, um sie zu unterstützen. Die Wollindustrie wird an dieser Stelle nicht die richtige Entscheidung treffen – aber wir können das! Wir müssen dafür schlichtweg Wolle aus unserem Kleiderschrank verbannen und uns stattdessen für Baumwolle, synthetische und andere tierfreundliche vegane Materialien entscheiden.

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Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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