Bekleidung Pelz

Es gibt keinen ethischen Pelz

Die Mehrheit der deutschen Öffentlichkeit – nämlich ganze 73 % – finden das Tragen von echtem Pelz nicht in Ordnung. Unter den herzlosen Menschen, die sich ganz leger ein totes Tier um die Schultern werfen, sind immer wieder einige die behaupten, sie würden ausschließlich „ethisch“ oder „human“ gewonnenen Pelz tragen.

Ihr fragt euch nun wahrscheinlich, wie in aller Welt irgendjemand den Eindruck gewinnen konnte, man könne Pelz auf „humane“ Weise herstellen. Nun ja, im Zuge steil abfallender Pelzverkäufe hat sich die International Fur Federation – in Zusammenarbeit mit anderen Größen der Pelzindustrie, wie Saga Furs und Kopenhagen Furs – die Initiative „Origin Assured“ (also, aus „gesicherter Herkunft“) ausgedacht. Deren Ziel ist es, die Öffentlichkeit in Bezug auf den Umgang mit Tieren, die für ihr Fell gezüchtet und getötet werden, zu beschwichtigen. Außerdem soll sie Pelzhändlern und Labeln eine absolut irreführende Marketing-Initiative bieten, hinter der sich die Firmen verstecken können, wenn sie auf empörte Bürger oder Anti-Pelz-Demonstranten treffen.

Aber was kann „Origin Assured“ überhaupt bedeuten? Es bedeutet, dass das Fell jeder genehmigten Spezies eines Tieres, welches in einem der 29 Länder per Falle gefangen oder auf einer Farm gezüchtet wurde, potenziell mit dem Zusatz „Origin Assured“ ausgewiesen werden kann. Dies gilt auch für die Tiere in diesem von Schauspieler Sky du Mont besprochenen Video.


Sky du Mont über das Pelzlabel „Origin Assured“ / … – MyVideo

Wenn ihr es schafft, euch das Video anzuschauen, werdet ihr Ermittlungen in mehreren europäischen Ländern zu sehen bekommen, einschließlich Finnland, Dänemark, Frankreich, Italien und Polen, sowie Ermittlungen aus den USA. Zu sehen ist ein Nerz mit einer so schweren unbehandelten Kopfverletzung, dass Hirngewebe sichtbar ist. Oder ein Fuchs, der humpelt und an einer Pfote keine Haut mehr hat. Dies sind nur zwei Beispiele all der Tiere, die ein Leben voller Schmerz und Leid ertragen müssen und deren Fell sich dennoch dafür qualifiziert, mit dem glänzenden Label “Origin Assured” verkauft zu werden.

In freier Wildbahn leben Füchse in kleinen Familiengruppen und Polarfüchse legen von ihrem Geburtsort aus hunderte Kilometer zurück. Nerze sind von Natur aus scheue Tiere, die jeden Kontakt zum Menschen vermeiden – auf Pelzfarmen zwingen sie Käfige zu einer unmittelbaren Nähe zu Menschen und hunderten weiteren Tieren. Dies führt häufig zu Kämpfen unter den Tieren, was in Verletzungen und sogar Blindheit enden kann. Bisswunden werden fast nie behandelt und so kommt es oft zu Infektionen. Atemwegserkrankungen, Krebstumore und Zahnfleischwucherungen (Gingivahyperplasie) treten in Pelzfarmen regelmäßig auf.

Der Stress und die von der Gefangenschaft verursachten Entbehrungen auf Pelzfarmen, lassen die Tiere schier verrückt werden. Sie zeigen häufig unnatürliches repetitives Verhalten, wie ein endloses im Kreis laufen oder sie verstümmelt sich selbst. Die elenden Umstände, unter denen diese Tiere leben müssen, stehen im harten Kontrast zur von der Pelzindustrie vermittelten Opulenz und zu den Preisen, die für Pelzbekleidung gefordert werden.

Die Pelzindustrie ist eine der gewalttätigsten und blutigsten Industrie der Welt und das heuchlerische „Origin Assured“-Label ist nichts anderes als eine Marketing-Taktik, um die wahren Gräueltaten der Industrie zu verschleiern. Bei der Tötung der Tiere wird darauf geachtet, den Pelz so wenig wie möglich zu beschädigen – nicht darauf, das Leid der Tiere zu minimieren. Nerze werden deshalb vergast, erstickt oder ertränkt. Füchse werden normalerweise mit einem elektrisch aufgeladenen Stahlstab getötet, den man den Tieren in den Mund und das Rektum einführt.

Pelzfarmen sind in Großbritannien sowie Österreich, Bulgarien, Kroatien und Israel bereits aufgrund der öffentlichen Ablehnung der immanenten Grausamkeit verboten. Einige Gemeinden gingen sogar noch weiter: Vor kurzem wurde das in West Hollywood eingeführte Verkaufsverbot für Pelz von einem Bundesgericht bestätigt und in Israel arbeitet man ebenfalls auf ein solches Verkaufsverbot für Pelz hin. Es wird der Tag kommen, an dem wir echtes Fell nur noch an Tieren – oder im Museum – sehen werden.

Ich hoffe sehr, dass jede Person, die unbedingt den Fell-Look möchte, dem Trend von immer mehr mitfühlenden Fashionistas folgt und sich im Sinne der Tiere für Kunstpelz entscheidet. In der Modewelt ist der falsche Fuchs längst angekommen. Jeremy Scotts Kollektion, die in New York vorgestellt wurde, beinhaltet tierfreien Pelzbesatz und in London hat das heiße neue Design-Label Shrimps bei seiner ersten Präsentation auf der Fashion Week mit luxuriösen Kunstpelzmänteln und Accessoires in einem Raum voller prominenter Fans für Aufsehen gesorgt.

Das Pelz-Label „Origin Assured“ hat nur den einen Zweck: Menschen ein besseres Gefühl dabei zu geben, wenn sie eine der grausamsten Industrien der Welt unterstützen. Designer und Läden, die diese Grausamkeit schamlos unterstützen und fördern, müssen endlich die Realität im Leben der Tiere sehen, die in den vom Laben anerkannten Ländern für ihr Fell leiden und sterben. Diese Verantwortlichen müssen sich bewusst werden, dass bei jedem Pelzprodukt – ganz egal, woher es stammt – nur eines garantiert ist: Dass Tiere dafür gelitten haben.

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Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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