Freiwilligenarbeit in Südafrika: Ein Monat bei Vervet Monkey Foundation
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Freiwilligenarbeit in Südafrika: Ein Monat bei Vervet Monkey Foundation

Freiwilligenarbeit in Südafrika bei Velvet Monkey Foundation

Als ich den beeindruckenden Film The Vervet Forest bei der IARC in Luxemburg gesehen habe, war es um mich geschehen. Ich wollte ehrenamtlich bei der veganen Vervet Monkey Foundation (VMF) in Südafrika helfen. Nach 11 Jahren bei PETA und viel allgemeiner Aufklärungsarbeit mal direkten Kontakt mit Tieren erleben.

Freiwilligenarbeit mit Affen

Betreuung von Kollegen gegen Affen getauscht

Fair enough, wir sind ja an sich auch nur große Affen 😉 Gesagt getan, wobei dies auch nur möglich war, weil mir unbezahlter Urlaub bewilligt wurde. Die Foundation nimmt Volunteers normalerweise erst ab 4 Wochen Aufenthaltszeit, weil sich eine kürzere Dauer für sie kaum lohnt… Ohne dieses Zugeständnis wäre mir diese tolle Erfahrung kaum möglich gewesen. Und ich habe (fast) jeden Tag der 4 Wochen genossen! Statt Teamleitung der Kampagnenabteilung und des Backoffice war „Affenmama“, denn ich ging zur „Babyseason“ hin. Doch auch wenn sich viel um die Kleinen gedreht hat, bietet die Vervet Monkey Foundation viel mehr…

Ver…was? Vervet Monkeys!

Vervet Monkeys heißen im Deutschen Meerkatzen, sind aber eindeutig Affen. Charakteristisch ist ihr silbergraues Fell und ihr schwarzes Gesicht – und, naja, blue balls bei den Männchen… Sie leben in Familienverbänden, mehrere Familien bilden einen Troop (also eine Herde). Dieser wird vom Alpha-Weibchen geführt, und verhält sich sehr hierarchisch und territorial. Weshalb auch immer mal wieder blutige Rangkämpfe stattfinden.

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Die Bewohner der Vervet Monkey Foundation:

Babys 

Die Foundation, auf der mittlerweile etwa 500 Affen in unterschiedlichen Troops leben, nimmt zwischen November und März verstärkt verwaiste Babys auf. Verwaist, weil ihre Mütter entweder von Autos totgefahren, oder sie ihnen weggenommen wurden, um als Haustiere zu leben. Zwar ist es illegal Vervets zu halten, doch das hält einige nicht davon ab, sich am Straßenrand für wenig Geld ein kleines, süßes Affenbaby zu holen. Schnell stellen die Menschen fest, dass dies keine gute Entscheidung war, oder Tiere werden konfisziert und bekommen bei der VMF die Chance ein richtiges Affenleben leben zu dürfen.
Nach 72-Stunden in Quarantäne kommen die Neuankömmlinge zuerst ins „Disneyland“, eine große Voliere, in der andere Affenbabys spielen, klettern, und lernen Milch (Sojamilch, weil sie Kuhmilch schlecht vertragen) aus Flaschen in einem sogenannten Feedingcage zu trinken. Können sie dies, beginnt ihre Integration. Sie kommen in Introcages, die an Troops angegliedert sind. Dort schauen vor allem die Affenweibchen des Troops vorbei, und früher oder später, finden die Babys Adoptivmütter. Nach einer gewissen gemeinsamen Zeit im Introcage dürfen die Kleinen dann mit ihren Foster-Moms raus zu den anderen. Zwar übernehmen die Adoptivkinder den Rang der Mutter, doch für Milch müssen sie weiterhin in die Feedingcages.

Und Ex-Pets

Erwachsene Neuzugänge haben meist eine Tortur hinter sich. Da sie von Natur aus sehr sozial, hierarchisch und territorial sind, leben sie meist nach ihrem Jugendlichen-Alter in kleinen Käfigen. Anfangs mag es süß sein, wenn ein Babyaffe Gäste anfällt, doch mit wachsendem Alter und Zähnen führt es dazu, dass ihre „Halter“ sie wegsperren oder gewalttätig gegen sie werden, und sie folglich vereinsamen und verwahrlosen. Viele dieser Ex-Pets sind daher aggressiv gegenüber Menschen. Wer kann es ihnen bei schlechten Erfahrungen über Jahre verübeln? Bei der VMF lernen sie wieder Affe zu werden, im Kontakt mit anderen Artgenossen. Manche können schneller in Troops, andere sind (körperlich oder geistig) so geschädigt, dass sie ihr Leben in Introcages alleine oder mit wenigen Artgenossen verbringen werden. Weil sie sich im Troop nicht bewähren könnten…

Tätigkeiten als Volunteer

Die VMF liegt in Tzaneen, in der Limpopo-Region im Norden von Südafrika. Das Klima ist subtropisch. Die Foundation ist seit einigen Jahren rein vegan, doch ein easy-peasy-Urlaubsort ist sie nicht und man sollte sich auf lange Tage, harte körperliche Arbeit und emotionale Momente einstellen.

Der Tag beginnt um 7 Uhr und man durchläuft mehrere Schichten, die von Monitoring (Affen beobachten und ihr Verhalten dokumentieren) über Sections (Verteilen von Wasser und Nahrung für die Affen in Introcages), Futterzubereitung für die Affen (Gemüse und Früchte kleinschnibbeln) oder die Menschen (mega leckeres veganes Mittag-und Abendessen wird immer frisch gekocht) Milks (Verteilen von Milchflaschen zu den unterschiedlichen Troops), bis hin zu Maintenence (Waschen von Decken, Tellern und Schüsseln oder sortieren von Gemüse und Früchten, Ausgestalten von Käfigen,… ) geht. Manche Tage enden um 17 Uhr, andere um 18:30, manchmal gibt es Night-Shifts, in denen man die ganze Nacht die Babys betreut. Natürlich gibt es auch tagsüber Baby-Schichten: Wichtig ist den Kleinen Liebe – und Milch – zu geben, mit ihnen das Klettern zu üben und ihnen das Trinken aus dem Feedingcage beizubringen.  Dies ist der erste Abschnitt ihrer Integration, und sie sollen sich nicht zu sehr an Menschen gewöhnen.

Kein Zuckerschlecken 

So schön die Arbeit mit Tieren ist, so traurig kann es auch werden, wenn man sie gehen lassen muss. In der Zeit in der ich da war, mussten wir uns von langen Mitbewohnern verabschieden, aber auch eines der neuankommenden Babys erlag seinen Verletzungen.

Außerdem sollte man keine Angst vor anderen Tieren haben. Spinnen, Tausendfüßler, Frösche, Skorpione und Schlangen (darunter auch giftige) wohnen dort, sowie ein wilder Troop, der Bandits genannt wird, und die mal in Waden beißen. Auch sollte man sich auf ein Leben ohne die Vorzüge unserer westlichen Zivilisation einstellen: Öko-Plumsklo, Duschen, in denen Frösche wohnen, Wasserknappheit, Stromausfälle, keine Bushaltestelle direkt um die Ecke, die einen in die nächste Stadt fährt.

Plus, man improvisiert. Wie wahrscheinlich überall bei Tierschutz- oder Tierrechtsprojekten ist der Wille da, doch das Geld fehlt oft. So macht man das besten mit den begrenzten Mitteln, verteilt Früchte und Gemüse in löchrigen Schüsseln oder schneidet mit stumpfen Messern. 

Noch ein paar Worte zu Südafrika

Es ist ein wunderschönes Land. Aber ein Land mit Problemen. Die Apartheid, obwohl schon Jahrzehnte offiziell beendet, wirkt noch immer vor. Die Armut vieler Menschen ist so sichtbar und präsent. Wellblechhütten auf der einen Seite und Wohnanlagen mit Stacheldraht und hohen Mauern, wie Hochsicherheitsgebiete, gesichert. Die meisten Menschen sind sehr freundlich und offen, doch gerade in größeren Städten sollte man vorsichtig sein.

Südafrika ist an sich ein Fleischfresserland und sie lieben ihr Braai (Grillen). Umso schockierter waren die Menschen über einen Listerien-Ausbruch, der hunderten Menschen das Leben kostete. Doch es geht auch sehr gut vegan! Auf der Foundation selbst war es kein Problem, ist sie ja rein vegan. Auch außerhalb fand ich veganen Käse und Wurst in einem Supermarkt (für alle die, so Alternativen wünschen), und Sojamilch so gut wie in jedem. Ich lernte Pap kennen sowie Chakalaka, Cabbage Stew und Atchar

Resümee: Es lohnt sich!

Man – ich jedenfalls – wird wieder geerdet, demütiger und dankbarer. Und ich werde die Foundation auch über meine direkte Arbeit vor Ort weiterhin unterstützen. Sie benötigen Hilfe um ihr Ziel, einen Vervet Forest in Südafrika, in dem Affen aus der Foundation komplett autonom leben, also richtig und nachhaltig ausgewildert werden können, zu erreichen. Ein ehrenwertes und wundervolles Vorhaben, für das aber viele Menschen einen Beitrag leisten müssen, um es Realität werden zu lassen. Für alle Affen, ob Baby oder Senior, hoffe ich, dass es bald soweit ist!

Über den Autor

Anja

seit 2004 vegan und seit 2007 bei PETA Deutschland, hat sie schon europaweit Kampagnen, Demos und Infostände betreut. Sie freut sich über jeden, der durch seine Entscheidungen die Welt für die Tiere besser macht und liebt P!NK – als Künstlerin und als starke Stimme für Tierrechte.

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