Unterhaltung Zoo

Verhaltensgestörte Tiere: Umfangreiches Psychopharmaka-Geständnis im Zoo Wuppertal

Vimoto

Nach Presseberichten über die Verabreichung von Psychopharmaka für den Schimpansen Epulu veröffentlichte der Zoo Wuppertal nun umfangreiche interne Protokolle:

Ergebnis: Im Zoo werden Psychopharmaka unter anderem dazu benutzt, verhaltensgestörte Tiere an die mangelhaften Gehege „anzupassen“. Dieser Zoo stellt allerdings nur die Spitze des Eisbergs dar. Auch andere Zoos wie Berlin oder der Tiergarten Nürnberg mussten bereits eingestehen, Tiere aufgrund von Verhaltensstörungen mit solchen Medikamenten zu behandeln. Diese Vorgehensweise stellt aus ethischer Sichtweise einen weiteren traurigen Höhepunkt in der Geschichte der Zoos dar.

Wir fordern nun alle deutschen Zoos auf, dem Beispiel des Zoos Wuppertal zu folgen und ebenfalls den Einsatz von Psychopharmaka offen zu legen. Danach muss eine sachliche Diskussion geführt werden, in der es auch um ein Verbot von Tierarten in Zoos geht.

Verabreichung von Psychopharmaka im Zoo Wuppertal

Eisbärin im Zoo Wuppertal mit typischen Kopf-Dreh-Stereotypien
Eisbärin im Zoo Wuppertal mit typischen Kopf-Dreh-Stereotypien

Laut einer Veröffentlichung des Zoos Wuppertal werden solche Arzneimittel angeblich nur im Rahmen von tierärztlichen Untersuchungen, Eingriffen oder Transporten eingesetzt. Entgegen dieser Behauptung finden sich in den Protokollen jedoch auch Fälle, bei denen Verhaltensstörungen wie Stereotypien, Selbstverstümmelungen oder aggressives Verhalten gegenüber Artgenossen durch einen teils längeren Einsatz von Psychopharmaka unterdrückt wurden.

Laut den vom Zoo Wuppertal veröffentlichten Protokollen, die PETA tierärztlich auswerten ließ, erhielt die sichtlich verhaltensgestörte Eisbärin Vilma zwischen dem 13. und dem 29. Januar 2011 sowie zwischen dem 27. Juni und dem 26. Oktober 2012 regelmäßig Psychopharmaka wie Diazepam und Perphenazin. Die Diagnose lautete Unruhe, Nervosität und Stereotypien.

Die Flachland-Gorilladame Roseli wurde zwischen dem 25. Oktober 2013 bis zum 14. Juni 2014 offenbar wiederholt mit Diazepam und auch Lorazepam behandelt. Dies erfolgte zum Teil im Rahmen der medikamentösen Narkosevorbereitung, aber teilweise auch ausschließlich aus dem Grund, Selbstverletzungen im Bereich der Beine zu verhindern. Löwe Shawano zeigte seit dem Zusammenführen der Gruppe aggressives Verhalten den anderen Tieren gegenüber. Er wurde deswegen von Mitte Mai bis Ende Oktober 2009 regelmäßig mit Diazepam behandelt. Die Schwarze Klammeraffendame Anja wurde 2005 zwei Mal im Zusammenhang mit aufgetretenen Selbstverstümmelungen am Bein mit Perphenazin behandelt, ein Medikament zur Behandlung von Psychosen. Flachland-Gorilla Vimoto, der sich regelmäßig Selbstverstümmelungen an den Händen zufügt, wurde im August 2013 über mehrere Tage mit Diazepam als Appetitanreger und wegen weiterer Gründe behandelt, die nicht näher definiert wurden.

Was Du tun kannst: Bitte besuche keinen Zoo, nie wieder, nirgendwo!

Über den Autor

Peter

Kampagnenleiter für "Tiere in der Unterhaltungsbranche" bei PETA Deutschland. Für seine Diplomarbeit bereiste er auf den Spuren von Elefanten, Tigern und Affen zahlreiche Schutzgebiete in Südostasien.

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