Haustiere Schlagzeilen

Hund beißt 72-jährige Frau tot!

Kangal Hund
© iStock.com / Erdin Hasdemir

Ja, diese Schlagzeile macht unglaublich betroffen und sehr traurig. Doch entgegen der weit verbreiteten Meinung, ist nicht der Hund Schuld, sondern immer der Mensch..

Was ist passiert?

Ein großer Hund der „Rasse“ Kangal hat in einer Gemeinde im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg eine 72-jährige Passantin angegriffen und zu Tode gebissen. Der türkische Herdenschutzhund fügte der Frau am Dienstagabend tödliche Verletzungen an Kopf und Hals zu. Eine Zeugin hatte zwar sofort den Rettungsdienst verständigt. Dieser konnte der Frau allerdings nicht rechtzeitig helfen, da es leider nicht möglich war, sich der auf dem Boden liegenden Verletzten zu nähern. Die Einsatzkräfte hätten sich sonst selbst in Gefahr gebracht. Als der Hund schließlich von der Frau abließ und  auf das Grundstück seiner 43-jährigen Halterin zurückkehrte, erlag die 72-Jährige trotz aller Bemühungen des Notarztes ihren schweren Bissverletzungen an Kopf und Hals. Der gesamte Ort steht unter Schock.

Hund und Frau
Vertrauen und Respekt sind unerlässlich bei der Hundeerziehung unabhängig von der Hunderasse. © iStock.com / Pekic

Auf dem Grundstück der Hundehalterin soll sich ein weiterer Kangal und ein Mischling befunden haben. Alle drei Hunde wurden erschossen. Außerdem waren etwa 20 Katzen in dem Anwesen. Gegen die Halterin, die erst spätabends zurückkehrte, wird nun wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Eine Frau und drei Hunde bezahlten das Unvermögen der verantwortungslosen Hundehalterin mit dem Leben.

Warum ist nicht der Hund schuld?

JEDER Hund kann in schlechter Haltung, durch eine gewalttätige Erziehung oder schieres Unwissen des Halters aggressiv werden – verantwortlich ist in der Regel der Hundehalter. KEIN Hund wird aggressiv geboren. Nicht seine „Rasse“ entscheidet über seinen Charakter, sondern in den allermeisten Fällen, was er erlebt hat.

Was genau ist ein Kangal?

Es handelte sich um einen anatolischen Herdeschutzhund, den Kangal. Diese Hunderasse ist ausgesprochen anspruchsvoll und kein Hund für die Wohnung oder das Reihenhaus. Zu Fremden ist ein Kangal misstrauisch, extrem wachsam mit einem ausgeprägtem Schutztrieb! Er wurde so von Menschen gezüchtet – das ist „seine Natur“: Er ist sehr dominant und nimmt seine „Aufgabe“, sein Revier zu beschützen, überaus ernst. Die Folgen dieses Vorfalls sind bekannt.

Der Hund sollte nur von Experten gehalten werden, da er bei Unterforderung durch permanenten Revierschutz-Stress zur tödlichen Gefahr werden kann. Während seiner selbstständigen Beschützer-Aktionen ist der Kangal nicht mehr unterordnungsbereit (Quelle).

Was fordert PETA?

Angesichts dieses Vorfalls fordert PETA die Einführung eines sogenannten Hundeführerscheins in Baden-Württemberg: Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Hundehalter sachkundig mit ihrem Tier umgehen und die Signale ihres Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund (egal welcher „Rasse“!) und Halter ist unerlässlich, um derartige Beißvorfälle zu verhindern. Zudem vermittelt das Training Kenntnisse über die Anforderungen der Hundehaltung, die für ein tiergerechtes Leben der Hunde unerlässlich sind.

Hund
Kein Hund wird aggressiv geboren.

Warum kann ein Sachkundenachweis helfen?

Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, bei dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben.

Anschließend an den theoretischen Kurs folgt für Halter und Hund ein gemeinsames obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule.

Gibt es denn Hundeführerschein bereits?

Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – der allgemeine Hundeführerschein ist dort seit Juli 2013 verpflichtend. Wer in München nach dem 01.05.2014 einen Hundeführerschein absolviert hat, kann sich ein Jahr lang von der Hundesteuer befreien lassen. In Mannheim gilt eine zweijährige Steuerbefreiung für alle Hunde, deren Halter den Hundeführerschein nach dem 1. Januar 2016 erworben haben. Wer in Berlin ab dem 1. Januar 2017 einen Hund neu aufnimmt, ist dazu aufgefordert, sich die notwendige Sachkunde anzueignen.

Gibt es weitere Vorteile?

Ja! Die Einführung eines verbindlichen Sachkundenachweises kann dabei helfen, Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit dem Thema Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt „angeschafft“ wurden.

Der Sachkundenachweis für Hundehalter fördert ein reibungsloseres Zusammenleben von Mensch und Tier und hilft zudem dabei, Hunden ein Schicksal im Tierheim zu ersparen.

Was sagt eine Hundeexpertin?

Die Diplompsychologin Dr. Silke Wechsung äußerte sich zu der Frage, ob sich Gesetze an der Größe des Hundes orientieren sollten, wie folgt:

„Der Fokus muss auf den Halter fallen statt auf Größe, Gewicht oder Rasse eines Hundes. Ich würde das Ganze viel präventiver angehen: Bevor sich jemand einen Hund anschaffen darf, muss ein Sachkundenachweis stattfinden. Zum Angeln brauche ich einen Angelschein, aber einen Hund kann ich mir einfach im nächsten Hinterhof kaufen, ohne mir jemals über Verhalten, Verantwortung oder Erziehung Gedanken gemacht haben zu müssen.“

Was kannst du tun?

Über den Autor

Dörte

ist Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA Deutschland. Sie hat Veterinärmedizin in Leipzig studiert.

Durch die Nutzung dieser Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen