Ernährung

Warum PETA bei Unfällen mit Tiertransportern Anzeige erstattet

PETA Deutschland hat 2013 damit begonnen, Unfälle mit Tieren aufzugreifen und in den Fällen, die besonders gravierend sind, Strafanzeigen zu erstatten. Verstärkt 2014 und 2015 sind mittlerweile ca. 20 Strafanzeigen an diverse Staatsanwaltschaften herausgegangen.

Wir möchten kurz erklären, welche Intention hinter diesen Anzeigen steckt.

Für uns ist klar: Schonende Tiertransporte gibt es nicht. Bei Unfällen sterben Schweine, Rinder oder Hühner qualvoll und langsam. Körperteile werden eingequetscht oder brechen. Die empfindsamen Tiere geraten in Panik, erleiden Kreislaufzusammenbrüche oder Herzinfarkte.

Fakt ist: Tiertransporte finden vielfach ohne sachliche, sondern allein aufgrund ökonomischer Kriterien statt. Es wird kreuz und quer gefahren, nur um den kostengünstigsten Schlachtbetrieb zu erreichen. Dumpinglöhne in deutschen Schlachthöfen verstärken den Sog von Tiertransporten nach Deutschland.

 

Erhebliche Mängel bei vielen Transporten

Bei einer Kontrolle von Tiertransportern durch Behörden in der Massentierhaltungs-Region Oldenburg/Diepholz wurden 72 % der Transporte beanstandet. Häufigste Mängel: Keine ausreichende Sachkunde bei den Fahrern, viel zu lange Zeiten ohne Wasserversorgung, Überladungen, Unterschreitung der Mindeststellflächen.

Wir gehen daher von systematischen Verstößen gegen die ohnehin laschen Auflagen in der Tierschutztransportverordnung aus. Das heißt: kaum ein Transporteur hält sich an die Regeln.

 

Einige Beispiele

Durch diesen bedingten Vorsatz werden auch Unfälle wahrscheinlicher. „Lenkzeitüberschreitung von ca. 4 Stunden“ stellte die Staatsanwaltschaft Kassel bei einem Fahrer fest, der einen Unfall verursachte, bei dem ein Großteil der 5000 Hühner ums Leben kam (Staatsanwaltschaft Kassel, Az.: 1616 Js 1305/15).

Die „Überladung des Viehtransporters“ war neben einem Lenkfehler Ursache für einen weiteren Unfall, bei dem 27 Schweine qualvoll starben. Eine Ordnungswidrigkeit, die mit 300 Euro Bußgeld geahndet wurde (Staatsanwalschaft Oldenburg, Az.: NZS 1102 Js 66767/14). Bei Überladungen ist die Statik eines LKWs gestört. Zusammen mit Unaufmerksamkeiten, wie etwa das Übersehen eines Grabens, ist schnell ein „Unfall gebaut“. Diesen bezahlen – außer dem von den Versicherungen abgedeckten monetären Schaden – fast nur die Tiere mit schwersten Verletzungen, Schäden, Leid und mit ihrem Tod.

Eine Geldbuße von 1000 Euro mussten Verantwortliche eines Tiertransports zahlen, bei dem 55 Ferkel ums Leben kamen, weil bei heißem Wetter nicht genügend Kühlung und Wasser zur Verfügung stand (Staatsanwaltschaft Schwerin, Az.: 132 Js 21398/13).

Und die Staatsanwaltschaft Trier spricht bei einem Transportunfall, bei dem 20 Kälber schwer verletzt und notgetötet werden mussten, von „bewusst fahrlässig“ – also keiner Straftat, sondern einer Ordnungswidrigkeit (Staatsanwaltschaft Trier, Az.: 8044 Js 66/15).

 

100 Unfälle mit Tiertransportern pro Jahr

Allein in Deutschland geschehen, grob geschätzt, ca. 100 Unfälle mit Tiertransportern pro Jahr. Schätzungsweise eine sechsstellige Anzahl von Tieren kommt dabei auf kaum vorstellbare, grauenvolle Weise ums Leben.

 

Was die Strafanzeigen bewirken können

Wir sind der Auffassung, dass die teils extremen Mängel sowie die besonderen Fahrlässigkeiten und Sorglosigkeiten bei Tiertransporten als bedingter Vorsatz zu werten sind und somit auch als Straftaten verfolgt werden sollten. Mit den Strafanzeigen wollen wir dem Problem entgegenwirken, dass Fahrer von Tiertransportern bislang nur mit Ordnungswidrigkeiten bestraft werden, was ein kalkulierbares Risiko für die Transportunternehmen darstellt. Das Transportgewerbe für Tiere handelt jedoch vielfach nicht „bewusst fahrlässig“, sondern bedingt vorsätzlich, in jedem Fall grob fahrlässig.

 

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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