Ernährung

Hummer-Prozess in Berlin: Erfolg für den Tierschutz

©iStock.com/T_W

Das Verwaltungsgericht Berlin hat gestern die Leidensfähigkeit und die Schutzwürdigkeit von Hummern festgestellt. Außerdem wurden Verbesserungen in der Hälterung ausgehandelt:

Hummer bekommen von nun an Rückzugsmöglichkeiten und mehr Platz – zumindest bei METRO in Spandau.

Wie alles begann

Das Bezirksamt Spandau erließ im Jahr 2013 einen Auflagenbescheid, der die Hälterung von lebenden Hummern bei METRO in Spandau unter sehr viel strengere Auflagen stellte. Unter anderem sollte die Abgabe lebender Hummer an Verbraucher eingestelllt werden. Gegen diese und viele weitere Auflagen klagte nun das Handelsunternehmen METRO.

Mehr Platz für Hummer

Das Gericht entschied, dass die METRO-Filiale Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere in den Becken einbauen muss. Zudem muss das Platzangebot von 250 Quadratzentimetern auf 290 Quadratzentimeter pro Hummer vergrößert werden. Das Gericht hat ausdrücklich festgestellt, dass Hummer leidensfähige und nach dem Tierschutzgesetz schutzbedürftige Tiere sind. Dies wurde in der Vergangenheit immer wieder in Zweifel gezogen und den Tieren jeglicher Mindeststandard bei der so genannten Hälterung versagt, bevor sie bei lebendigem Leibe in siedendes Wasser geworfen werden. Damit dürfte es nun vorbei sein.

Tierschutz geht dennoch in die Berufung

Das Bezirksamt Spandau wird dennoch Berufung einlegen. Unter anderem wurden bestimmte Auflagen bezüglich der Wasserqualität und Temperatur abgelehnt. Lebende Hummer werden nach wie vor an Kunden abgegeben, die zuhause die Tiere nach Gutdünken behandeln können, keiner prüft ob sie vorschriftsmäßig (schon schlimm genug) getötet werden.

Transport und Tötung von Hummern

Laut Tierschutzschlachtverordnung dürfen lebende Krebstiere nur im Wasser oder vorübergehend während des Transports auf einer feuchten Unterlage aufbewahrt werden. Bei METRO hingegen konnten wir dokumentieren, wie sie lebendig in Plastiktüten ohne Wasser verpackt wurden – wie Gemüse.
Studien zeigen, dass Krebstiere Schmerz empfinden und sich später daran zurückerinnern [1]. Forscher gehen außerdem davon aus, dass sie über ein ähnliches Angstempfinden wie Menschen verfügen [2]. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam bereits 2005 in ihrem Bericht zu dem Schluss, dass Hummer und andere Krebstiere höhere kognitive Fähigkeiten aufweisen und über ein komplexes Verhaltensrepertoire, ein Bewusstsein, ein Gedächtnis und komplexe neurale Strukturen verfügen („perhaps analogous to human cerebral cortex“). Krebstiere werden von der EFSA in die Kategorie 1 eingestuft – das bedeutet, dass sie eindeutig Schmerz und Stress empfinden können und deshalb unseren Schutz verdienen [3].

So kannst Du Hummern helfen

Wo immer Du lebende Hummer siehst, bitte den Geschäftsführer des Unternehmens schriftlich oder mündlich darum, den Verkauf von allen Hummern einzustellen. In Kanada und den USA werden Hummer lebend in Stücke gerissen. In Deutschland werden sie lebendig in kochendes Wasser geworfen. Das muss beendet werden. Jede Stimme für die Hummer zählt, auch Deine. Danke!

 

Über den Autor

Tanja

Tanja hat in Deutschland und Frankreich Zoologie und Meeresbiologie studiert und sich in ihrem Studium und in ihrer Freizeit viel mit Fischen beschäftigt. Getreu dem Motto: Fische sind Freunde, kein Essen - setzt sie sich seit Jahren dafür ein, dass Fische in Ruhe gelassen werden und nicht mehr auf unseren Tellern landen.

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