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Die Verbindung zwischen Feminismus und der Unterdrückung von Tieren

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Diese Blogreihe ist ein Gastbeitrag von Alessia Bacigalupo

Der isländische Schriftsteller Halldór Laxness stellt in seinem Meisterwerk Sein eigener Herr (1935) auf interessante Weise die patriarchische Unterdrückung von Frauen und Tieren dar. Er erzählt die tragische Geschichte der Bauersfrau Finna und der Kuh Búkolla, die sich – beide Opfer der Unterdrückung – zusammenschließen.

Die beiden Frauen durchleben erzwungene Schwangerschaften und den Verlust ihrer Kinder. Das kleine Kalb wird getötet und verkauft, auch Búkolla wird dann getötet und Finna stirbt an ihrem Schmerz über diese Tragödie. Dies sind die leidvollsten Momente des Buches.

Man kann die Geschichte von Búkolla und Finna als Geschichte weiblichen Mitgefühls über die Artengrenzen hinweg betrachten, das sich zwischen zwei Individuen entwickelt, die von der Logik männlicher Dominanz unterdrückt werden.

So umschloss der Feminismus der 1970er Jahre eine neue Tendenz unter dem Begriff Ökofeminismus. Wo ‘traditioneller’ Feminismus von Beginn an für die politische, soziale, persönliche und wirtschaftliche Gleichheit menschlicher Frauen kämpfte, schloss der Ökofeminismus in seine Befreiungsbestrebungen auch die Umwelt und nicht-menschliche Tiere ein.

Der Grund, warum Umweltschutz und Tierrechte im Feminismus eine Rolle spielen, liegt in der Anerkennung bestehender Verbindungen zwischen der Unterdrückung verschiedener gefährdeter Gruppen. Dazu gehören z. B. Frauen, farbige Menschen, Kinder, Bedürftige, aber eben auch die Natur und all ihre Bestandteile wie Tiere, Wälder, Wasser, Luft usw.

All diese Gruppen leiden unter der Dominanz, dem Missbrauch oder der Kolonisierung durch eine westliche männlich-patriarchische Gesellschaft.

Innerhalb des Ökofeminismus konzentriert sich eine Strömung besonders auf das Thema Tierrechte. Der Ansatz der Intersektionalität spricht Diskriminierungsformen wie Sexismus, Rassismus oder Klassismus einen gemeinsamen Nenner zu. Dieser Ansatz schließt auch die Umwelt und nicht-menschliche Tiere mit ein – im Fall von Tieren insbesondere den Speziesismus.

Die ökofeministische Theorie sieht Tiere als Teil eines Kreislaufs der Unterdrückung. Sie lehnt das Töten und die Nutzung von Tieren ab, da diese Bestandteile eines Kreislaufs der Gewalt, ausgeübt mittels der männlichen Logik der Dominanz, seien. Im Verlauf der Geschichte waren Männer die Besitzer von Land und weiteten ihren Machteinfluss auch auf die Lebewesen auf ihrem Grund aus.

Der Konsum tierischer Produkte wie Eiern oder Milchprodukten wird von Ökofeminist*innen ebenfalls als Rechtsverletzung angesehen. Hier fasst sich der Diskurs der Gender-Verbindung über Speziesgrenzen hinweg zusammen: Vegane Ökofeminist*innen halten es für unmöglich, Feminist*in zu sein und gleichzeitig tierische Produkte zu konsumieren – insbesondere die Produkte, die sich direkt negativ auf weibliche Tiere auswirken.

Kühe werden in ein Gestell eingespannt und zwangsbefruchtet, also vergewaltigt. Legehennen müssen wieder und wieder den Verlust ihrer Eier durchleiden. All dies muss als Teil der feministischen Bewegung anerkannt werden, da es sich um körperlichen Missbrauch handelt, vergleichbar mit dem Missbrauch an menschlichen Frauen.

Ein interessanter Beitrag über die Kommerzialisierung nicht-menschlicher Tiere stammt von der amerikanischen Feministin Angela Davis. Obwohl sie nicht zu den Ökofeminist*innen gehört, erkennt sie scheinbar die Prinzipien dieser Bewegung in Bezug auf die Ausbeutung von Tieren an.

In einer beeindruckenden Rede anlässlich der 27. Annual Empowering Women of Color Conference sagte sie, Veganismus sei „Teil einer revolutionären Perspektive“, die auch die „Entwicklung einer von Mitgefühl geprägten Beziehung zu den Lebewesen, mit denen wir diese Erde teilen“ einschließe. Um dies in Gang zu setzen, so Davis, müsse die gesamte kapitalistische Nahrungskette in Frage gestellt werden.

Der von Angela Davis angeregte Ansatz des Mitgefühls ließe sich perfekt mit der ökofeministischen Ethikperspektive kombinieren – mit einer Ethik, in der die Sorge um Andere – Menschen wie auch nicht-menschliche Tiere – an vorderster Stelle steht und wir unsere Beziehung zu Tieren hinterfragen. Für die Tiere, unseren Planeten und die gesamte Menschheit wäre das sicher ein Schritt in die richtige Richtung.

Weitere Themen dieser Blogreihe:

Wie weit reichen Veganismus und Tierrechte wirklich zurück?
Werfen wir die kartesianische Sicht auf Tiere über Bord!
Speziesistische Theorie: Von ihren Anfängen und Entwicklungen
Die Tierrechtsdebatte: Vom Utilitarismus zum Abolitionismus

 

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PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.