Ernährung

Heringgepupse mit russischen U-Booten verwechselt

© iStock.com / ARTKucherenko

Lustig: im Jahr 1993 belauschten „schwedische Horchposten“ Herings-Konversationen, hielten sie aber zunächst für Geräusche sich anschleichender russischer U-Boote. Sie dokumentierten sie in einem Geheimbericht. Erst nach zehnjähriger Schweigefrist durften die Biologen ihren Irrtum öffentlich eingestehen.

Das wird auf der Homepage der ZDF – Sendung Terra X berichtet. Daraufhin erhielten die Wissenschaftler im Jahr 2004 den Ig-Nobelpreis in Biologie für ihre Untersuchungen an pupsenden Heringen. Für die Pupse gibt es inzwischen auch hochwissenschaftliche Termini: FRT (Fast Repetitive Tick) oder auch „pulsed chirp“.

Heringe pupsen um zu kommunizieren

Heringe setzen Gas aus dem Allerwertesten zur Schallerzeugung ein. Hierbei stoßen sie feine Gasblasen aus. Sie tun das, um zu kommunizieren, denn Heringe sind sehr kommunikative Schwarmtiere. Je mehr Heringe sich im Schwarm befinden, umso heftiger „pupsen“ die einzelnen Mitglieder. Dabei entsteht ein hochfrequenter Sound von 22.000 Hertz. Ihre gesamte Tonleiter kann sich über drei Oktaven erstrecken. Zwischen 0,6 und 7,5 Sekunden dauert so eine anale Äußerung. Wer dies belächelt, kann gerne einmal versuchen, es nachzumachen.

Um herauszufinden, warum die Heringe pupsen, setzten die Biologen sie verschiedenen Reizen und Situationen aus. Da weder die Anwesenheit von Haien noch das Futterangebot das Pupsen beeinflussten, schlossen sie daraus, dass weder Angst noch Hunger ausschlaggebend sind, sondern alleine die Kommunikation im Schwarm.  Besonders im Dunkeln pupsen Heringe, denn es ist wichtig zu wissen, wo sich der Nachbar befindet, um Gerangel zu vermeiden und sich nicht zu weit voneinander zu entfernen. Tagsüber nutzen Heringe ihre Augen und ihr Seitenlinien-Organ, das Wasserschwingungen wahrnehmen kann.

Gas gelangt aus der Schwimmblase in den Darm

Die Schwimmblase der Heringe weist einen Ausgang in den Darm kurz vor dem Anus auf. Bei den ausgestoßenen Pupsen handelt es sich folglich um Gas aus der Schwimmblase und nicht wie bei uns um Verdauungsgase aus dem Darm.

Lippfisch-Ruf mit Meeresgeist verwechselt

Es gibt viele Formen der Kommunikation bei Fischen. Viele Arten nutzen die Schwimmblase als Verstärker bei der Lauterzeugung. Ein Lippfisch kann auf diese Art wie ein Nebelhorn rufen und ist dabei sogar auch über Wasser zu hören. Indianer der amerikanischen Atlantikküste hielten den Lippfisch-Nebelhorn-Ruf für Meeresgeister.

Fische sind nicht stumm

Wie wir Menschen auch, sind Fische unterschiedlich gesprächig. Manche sprechen nur das Nötigste, andere hören gar nicht mehr auf mit dem Gequatsche. Fische haben keinen Kehlkopf und auch keine Stimmbänder, aber bei über 30.000 Fischarten gibt es viele verschiedene Arten der Kommunikation: mit den Zähnen knirschen, mit Gelenken knarren, mit Muskeln auf die Schwimmblase trommeln, Sehnen zupfen und vieles mehr. Für uns Menschen, die die Fischsprache nicht verstehen, hört sich das an wie Quiek, Quak, Klick, Knurr, Tröt, ein russisches U-boot oder ein Nebelhorn. Und wenn australische Rifffische gemeinsam im Chor singen, hört sich das richtig gut an, hör selbst.

Bitte streiche Fische heute noch vom Teller, sonst wird es im Ozean stumm. Hier geht es zum Veganstart. Danke!

 

Über den Autor

Tanja

Tanja hat in Deutschland und Frankreich Zoologie und Meeresbiologie studiert und sich in ihrem Studium und in ihrer Freizeit viel mit Fischen beschäftigt. Getreu dem Motto: Fische sind Freunde, kein Essen - setzt sie sich seit Jahren dafür ein, dass Fische in Ruhe gelassen werden und nicht mehr auf unseren Tellern landen.