Haustiere Schlagzeilen

ESC 2017 in der Ukraine – Hundetötungen in Kiew?

Derzeit bekommen wir unzählige Anfragen von Tierfreunden, Unterstützern und der Presse, ob es anlässlich des diesjährigen Eurovision Songcontests  (ESC 2017) in Kiew erneut zu einem massenhaften Abschlachten von Hunden wie zur Fußball-EM 2012 kommen würde.

Glücklicherweise findet 2017 KEIN Hundemassaker statt.

Wir sind seit einigen Wochen an diesem Fall dran und beobachten die aktuelle Lage sehr genau. Aus verlässlichen Quellen von befreundeten Tierschützern vor Ort wissen wir, dass es KEINE von der Stadt Kiew in Auftrag gegebene Hundetötungen gibt. Die Stadt Kiew hält an ihren bereits seit Jahren bestehenden Verträgen mit Tierschützern fest – sie spricht sich ganz klar gegen das Töten von sogenannten Straßenhunden aus. Einen offiziellen Tötungsauftrag von der Stadt hat es nach unserer Information  im Rahmen des ESC 2017 zu keiner Zeit gegeben. Massentötungen wie im Jahr 2012 sind weder geschehen noch geplant. Die Stadt hat in Kooperation mit den Tierkliniken in Kiew seit 2012 die Kastrationsprojekte ausgebaut. Das Töten von „Streunern“ ist verboten.

Dennoch finden in Kiew Hundetötungen statt: Informanden vor Ort zufolge ist es zufreffend, dass vor allem im Bereich des Veranstaltungsortes für den ESC vermehrt „Streuner“ getötet wurden. Diese Hundetötungen sind allerdings keine von der Stadt angeordneten Tötungen – sondern durch sogenannte illegale „Doghunter“ ausgeführt worden. Die Doghunter agieren im Verborgenen und führen illegale Hundetötungen, die nicht von der Stadt Kiew in Auftrag gegeben wurden, durch. Vermutlich verdienen sie damit gutes und schnelles Geld. Die Auftraggeber selbst sind unbekannt. Im Schutz der Dunkelheit können Doghunter unbehelligt Hunde erschießen und auch jede Privatperson kann Gift auslegen – ohne dass dies kontrollierbar ist. Erinnern möchten wir in diesem Zuge auch an die vielen Giftköderattacken in Deutschland, die nicht staatlich verhindert werden können.

Die Population an „Streunern“ ist dank wichtiger Kastrationsaktionen stark zurück gegangen.

PETA wird sich direkt an Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko wenden, um ihn zu bitten, die Problematik mit den Doghuntern ernst zu nehmen und zu unterbinden. Wir hoffen sehr, dass er auch öffentlich Stellung beziehen wird. Die „Streunerproblematik“ muss langfristig angegangen werden, die Veränderung muss in den Köpfen der Menschen geschehen. Jeder kann durch Aufklärung dazu beitragen, dass „Haushunde“ kastriert werden.

Wir von PETA fordern zukunftsfähige Kastrationsprogramme bereits seit Jahren und klären die Bevölkerung über die Straßenhundeproblematik auf. Parallel dazu stärken wir den Tierschutz vor Ort auch dadurch, dass wir das Leiden und die Not nach außen tragen. Wir beachteten die Situation vor Ort genau und lassen nicht locker, bis sich die Situation für die Tiere konkret verbessert hat. Und ob das der Fall ist, da vertrauen wir den Aussagen der Bevölkerung, nicht den Behörden.

Stellungnahme von Asia Serpinskaya, Präsidentin des Dachverbands der ukrainischen Tierschutzvereine, AZOU und Leiterin des Tierheims Gostomel bei Kiew (Quelle):

„Mit den Morden an Streunern haben die Behörden nichts zu tun. Die Hunde werden von Doghuntern eigenmächtig getötet. Unser Problem ist, dass wir die Täter nicht bestrafen können. Wenn wir eine Anzeige bei der Polizei einreichen, haben wir keine ausreichenden Beweise. Die Hunde laufen überall frei auf der Straße, vorbei an Tausenden Passanten und jeder kann Gift auslegen. Am Abend in der Dunkelheit wird auf sie geschossen. Wir können nicht an jeder Ecke Polizisten postieren, um die Hunde zu schützen. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu kämpfen, dass Hunde gar nicht erst auf der Straße leben müssen.“

Die vielen Berichte und Petitionen werden immer dramatischer. Inzwischen seien 30.000 Tiere getötet worden, doch in ganz Kiew leben offenbar keine 2000 „Streunerhunde“ mehr, da die langjährigen Kastrationsprogramme glücklicherweise Erfolge zeigen.

Was du tun kannst

Bitte informiert euch! <3

Wir bitten alle Tierfreunde, keinerlei Fehlinformationen mehr zu verbreiten und nur auf seriöse Berichte zu vertrauen. Nur so können die knappen Ressourcen der Tierschützer sinnvoll gebündelt und genutzt werden. Die Bilder und Videos, die im Internet verbreitet werden, stammen zumeist aus dem Jahr 2012 und gehören glücklicherweise der Vergangenheit an.

In jedem Fall behalten wir Kiew im Blick und werden die Lage weiter genau beobachten und verfolgen.

Über den Autor

Dörte

ist Fachreferentin für Tierische Mitbewohner bei PETA Deutschland. Sie hat Veterinärmedizin in Leipzig studiert.