Ernährung

Halal – Religion und Tierrechte, geht das zusammen?

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In den letzten Wochen haben PETA Deutschland wiederholt Anfragen zum Thema „Schächten im Islam“ erreicht. Es handelt sich dabei um eine Praxis der rituellen Schlachtung, bei der sichergestellt werden muss, dass das Tier vollständig ausblutet bevor das Fleisch verarbeitet werden kann. Die Vorschrift des vollständigen Ausblutens der Tiere gilt im Judentum, Islam und steht auch in der Bibel, wird im christlichen Kulturkreis jedoch kaum angewandt.

Im Tierschutzgesetz (Artikel 4a) wird beschrieben, dass ein warmblütiges Tier nur mit vorheriger Betäubung getötet werden darf. Ausgenommen sind sogenannte Notschlachtungen oder Ausnahmegenehmigungen für bestimmte Religionsgemeinschaften. Doch zum Schächten benötigte Ausnahmegenehmigung erteilen die zuständigen Behörden jedoch in Einzelfällen – sehr selten und unter strengen Auflagen. Einen „Schächt-Schlachthof“ kann es in Deutschland also schon aus rechtlichen Gründen nicht geben, und dementsprechende Anträge liegen den Behörden bislang auch nicht vor. PETA setzt sich dafür ein, dass dies auch so bleibt, denn Tradition ist niemals eine legitime Rechtfertigung für Leiden.

Das Wort „halal“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet „erlaubt“ oder „rein“. Muslime dürfen Lebensmittel also nur dann zu sich nehmen, wenn sie halal sind. Ob dies zutrifft, wenn die Tiere vor der Tötung betäubt werden, ist innerhalb der muslimischen Religionsgemeinschaft umstritten. In deutschen Halal-Schlachthöfen findet die elektrische Betäubung vor der Tötung aufgrund der klaren Regelung durch das Tierschutzgesetz statt und wird von deutschen Muslimen auch akzeptiert. Auch das Europäische Halal-Zertifizierungsinstitut und viele islamische Gelehrte betrachten die kurzzeitige Elektrobetäubung vor der Tötung als konform mit den religiösen Bestimmungen.

Betäubungslose Tötung in deutschen Schlachthöfen?!?
Wer die qualvolle Tötung ohne Betäubung als „muslimisches Problem“ betrachtet, macht es sich zu leicht. Denn das Gesetz der Betäubungspflicht missachten auch nahezu alle deutschen Schlachthöfe. Laut Bundesregierung sind je nach Betäubungsart 3,3 bis 12,5 Prozent der Schweine und vier bis über neun Prozent der Rinder nicht ausreichend betäubt, wenn sie an einem Bein aufgehängt werden und kopfüber die Kehle durchtrennt bekommen. In absoluten Zahlen bedeutet dies jährlich weit über 300 000 Rinder und bis zu 7,5 Millionen Schweine – die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich weitaus höher. Ob betäubt oder nicht, der Tod eines fühlenden Tieres ist niemals rechtfertigbar.

Niemand muss Tiere töten, um sich halal zu ernähren
Der Koran sieht folgende Regeln vor, unter denen ein Tier getötet werden darf:

  • Das Tier muss in einer artgerechten und gesunden Umgebung aufwachsen.
  • Das Tier darf während des Transports nicht misshandelt und gestresst werden oder in irgendeiner Weise Beschwerden erleiden.
  • Das Tier darf sich vor dem Tod nicht gestresst oder verängstigt fühlen.
  • Während des Tötens darf das Tier keinen langanhaltenden Schmerzen oder Verletzungen ausgesetzt sein.
  • Das Tier darf nicht im Beisein anderer Tiere getötet werden.

Es zeigt sich, dass keine dieser Bedingungen in den aktuellen Gegebenheiten der Tierhaltung und Fleischproduktion wiederzufinden sind. Es gibt keinen schmerzfreien Tod und jedes Tier ist verängstigt, wenn es im Schlachthaus den Tod riecht oder sieht. Wir empfehlen allen Menschen, egal welcher Religion sie angehören, die vegane Ernährung. Diese ist immer auch halal, da Sie kein Fleisch von Tieren enthält, welche entgegen der rituellen Vorschriften getötet wurden.

Und was tut PETA?
Als Tierrechtsorganisation kämpft PETA entschlossen gegen jede Art der Tötung von Tieren. Es gibt keinen ethisch korrekten Fleischkonsum und eine vegane Ernährung erübrigt die Debatten um die richtige Betäubungs- und Tötungsweise fühlender Tiere. Wir alle können den Tieren helfen – indem wir mit unseren Handlungen und Taten dazu beitragen, dass kein Tier zu Schaden kommt.

Wer wie wir verhindern möchte, dass Tiere ohne Betäubung getötet werden, dem legen wir unser 30-tägiges Veganstart-Programm nahe, welches den Start in die vegane Ernährung mit Tipps, Tricks und vielen wichtigen Informationen bereichert.

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.