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Auffangstation nach über 30 Jahren Zirkus? Vier Gründe für einen SOFORTIGEN Umzug von Schimpanse Robby

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„Einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ Solche und ähnlich wohlgemeinte Argumente hören wir immer wieder von besorgten Menschen, wenn es um Robby geht, dem letzten Schimpansen in einem deutschen Zirkus.

Seit über 30 Jahren wird der Menschenaffe bei Circus Belly im Zirkuswagen mitgeführt. Bis vor kurzem wurde er auch in einen Anzug gesteckt und rollerfahrend in der Manege vorgeführt – bis die Veterinärbehörden endlich unserer Forderung stattgegeben und dies untersagt haben. Über unsere Forderung nach einem Umzug in eine Auffangstation entscheidet wohl erst Ende 2016 ein Gericht.

Hier sind die 4 wichtigsten Gründe, warum Robby in einer Auffangstation besser aufgehoben ist, als im Zirkus:

Robby in "seinem" Käfigwagen
Robby in „seinem“ Käfigwagen

1. Die Haltungsbedingungen im Zirkus sind erbärmlich
Robby wird im Zirkus einen großen Teil seines Lebens in einem Käfigwagen gehalten, der nur rund 10 Quadratmeter klein ist. Das ist Tierquälerei! Laut Richtlinien müsste sein Innengehege mindestens 200 qm groß sein. Zwar ist während der Gastspiele ein rund 50 qm großes Außengehege aufgebaut, doch dies kann er während des Auf- und Abbaus, der ständigen Fahrten von Ort zu Ort und insbesondere bei schlechter Witterung nicht nutzen. Es fehlen auch im Außengehege, welches eigentlich nochmals mindestens 200 qm groß sein müsste, adäquate Klettermöglichkeiten, Plattformen usw. Das jetzige Außengehege ist übrigens nur deshalb seit 2-3 Jahren immerhin rund 50 qm groß, weil PETA im Zuge der Kampagne seit 2011 ständig Druck auf die Behörden und den Zirkus ausgeübt hat. Jahrzehntelang haben sich weder der Zirkus noch die Behörden darum geschert, die Lebensumstände für Robby zu verbessern.

 
2. Klares „GO“ von DEN Schimpansenexperten
Die Schimpansenauffangstation „Stiftung AAP“ in den Niederlanden ist seit rund 30 Jahren auf die Rehabilitation von Schimpansen aus Zirkusbetrieben und Privathaltungen spezialisiert. Die Experten sprechen sich auch im Fall Robby für eine sofortige Rettung aus. In der wissenschaftlich geführten Einrichtung werden die Tiere behutsam und sorgfältig an ein schimpansenwürdiges Leben herangeführt und resozialisiert. Schimpansen sind keine Einzelgänger – ihr Leben bei Menschen ist nur ein Zweckbündnis, die aber echte Artgenossen nicht ersetzen können. Eines von vielen Beispielen: Die Schimpansin Linda wurde nach rund 30 Jahren Einzelhaltung von AAP gerettet. Dieses Video zeigt, dass Linda sehr davon profitiert, endlich wieder mit Artgenossen zusammenzuleben:

 

3. Klares „GO“ von weiteren Experten – bis auf Einen
Neben den Experten von AAP befürwortet auch das zuständige Kreisveterinäramt Celle den Umzug von Robby in die Auffangstation. Die Behörde hat eigens mehrere Gutachten durch Experten erstellen lassen, die letztlich zu Gunsten von Robby ausfielen. Sogar die weltbekannte Schimpansenforscherin Dr. Jane Goodall plädiert dafür, Robby in die Auffangstation umziehen zu lassen.
EIN Gutachter sprach sich jedoch dagegen aus: Der Osnabrücker Zoodirektor Michael Böer sagte sogar, man solle Robby lieber einschläfern, wenn sich die Zirkusleute irgendwann nicht mehr um ihn kümmern können. Dazu muss man allerdings wissen, dass Böers Zoo selbst ständig im Kreuzfeuer der Kritik wegen mangelhafter Affenhaltungen steht. Sogar sein eigener Zoodirektor-Kollege aus Münster übte schon öffentlich Kritik daran. Ein Novum. Im Zoo Osnabrück lebt beispielsweise Orang Utan Buschi, ein schwer verhaltensgestörter Menschenaffe, der ständig seine eigene Kotze aufisst. Was soll der Zoodirektor, der so eine Haltung verantwortet, denn auch anderes über einen Zirkus mit ähnlich kläglicher Schimpansenhaltung sagen, als diese gutzuheißen?!


Vor diesem Hintergrund wäre es wünschenswert gewesen, wenn das Veterinäramt ausschließlich unabhängige Gutachter herangezogen hätte.

4. Die Zirkusleute sind extrem gewalttätig
Neben der mangelhaften Tierhaltung fällt Circus Belly vor allem durch eins immer wieder auf: Prügelattacken auf Menschen. Vor diesem Hintergrund muss es auch erlaubt sein zu fragen, wie sich die Verantwortlichen dann erst gegenüber Tieren verhalten, wenn die Hemmschwelle, Menschen zu verletzen, derart gering ist. Ende Dezember 2015 wurde bei einer genehmigten Demo einem Tierfreund der Arm gebrochen und der Infostand mit einem Radlader plattgewalzt.

Hier noch ein weiterer Gewaltausbruch Ende 2014:

 

Alles in allem spricht kaum etwas dafür, Robby bis zu seinem Lebensende im Zirkus zu belassen. Auch das Argument des Zirkus „Er gehört zur Familie“ zieht nicht: Wer würde schon ein Familienmitglied jahrzehntelang in einen Käfigwagen einsperren?

Dagegen gibt es viele gute Gründe, Robby endlich zu retten, damit er in der Auffangstation wenigstens die Chance erhält, einen schönen Lebensabend mit Artgenossen zu verbringen. Bitte setzen Sie sich mit uns dafür ein! Weitere Informationen auf PETA.de/Robby und PETA.de/RettetRobby.

Über den Autor

Peter

Kampagnenleiter für "Tiere in der Unterhaltungsbranche" bei PETA Deutschland. Für seine Diplomarbeit bereiste er auf den Spuren von Elefanten, Tigern und Affen zahlreiche Schutzgebiete in Südostasien.