Ernährung

Fische spüren Schmerz

In ihrem Buch mit dem TitelDo Fish Feel Pain?“ (Spüren Fische Schmerz?) erklärt die Biologin Victoria Braithwaite, dass „es genauso viele Anzeichen dafür gibt, dass Fische Schmerzen empfinden und leiden, wie dies bei Vögeln und Säugetieren der Fall ist.“

Fische können zwar für uns Menschen nicht hörbar schreien, wenn sie am Angelhaken aufgespießt werden und auch nicht das Gesicht schmerzvoll verziehen, wenn ihnen der Haken aus dem Mund gerissen wird, aber ihr Verhalten zeigt uns eindeutig, dass sie leiden – wir müssen nur genau hinsehen. Als Braithwaite und ihre Kollegen Fische im Rahmen eines Experiments beispielsweise mit hautreizenden Chemikalien in Kontakt brachten, reagierten die Tiere ähnlich, wie es jeder von uns tun würde: sie nahmen keine Nahrung mehr zu sich, ihre Atemfrequenz stieg rasant an und sie rieben sich die betroffenen Stellen an der Aquarienwand.

Neurobiologen wissen, wie das Nervensystem der Fische Schmerzen wahrnimmt und darauf reagiert. Wie auch bei anderen „höheren Wirbeltieren“ produziert das Nervensystem der Fische so genannte „Schmerzkiller“, beispielsweise Endorphine, die bei einem Reiz ausgeschüttet werden.

Wissenschaftler konnten ein detailliertes Abbild von Fischen erstellen, das mehr als 20 Schmerzrezeptoren oder Nozizeptoren im Mund- und Kopfbereich der Tiere aufzeigt. Diese Rezeptoren befinden sich unter anderem genau an der Stelle, an der der Widerhaken der Angel das Fleisch des Fisches durchbohrt.

Dr. Stephanie Yue schreibt, dass der „Schmerz eine evolutionäre Anpassung ist, die Lebewesen beim Überleben hilft … Es ist nicht anzunehmen, dass das Schmerzempfinden bei einer bestimmten taxonomischen Klasse plötzlich abhandenkommt“.

Auch wenn Fische nicht die gleiche Hirnstruktur wie Menschen aufweisen und beispielsweise keinen Neocortex haben, erinnert uns Dr. Ian Duncan daran, „dass man das Verhalten und die Physiologie der Tiere beachten sollte, nicht nur ihre Anatomie“. Ein Gehirn könne sich auf unterschiedliche Weise entwickeln, erklärt Duncan und fährt fort: „Genau das ist der Fall bei Fischen. Das Gehirn der Fische hat sich in anderen Gehirnbereichen dahingehend entwickelt, Schmerzreize wahrnehmen zu können.“ „Wichtig ist nicht die Lokalisierung, sondern die Vernetzung“ so auch der Schweizer Philosoph Markus Wild.

Zahlreiche Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass Fische Schmerz spüren und darauf reagieren. In einem Versuch mit Regenbogenforellen beispielsweise wurde den Tieren schmerzhafte Essigsäure oder Bienengift in die empfindsamen Lippen gespritzt. Als Reaktion darauf nahmen die Fische keine Nahrung mehr auf, schaukelten auf dem Boden des Aquariums hin und her und rieben sich die Lippen an den Behälterwänden. Eine Kontrollgruppe von Fischen, denen eine harmlose Salzlösung in den Lippenbereich gespritzt worden war, zeigte dieses Verhalten nicht auf.

Forellen begegnen neuen Objekten naturgemäß mit großer Vorsicht und Abweisung. Die Tiere, denen Essigsäure injiziert worden war, zeigten jedoch kaum eine Reaktion, als ein knallbunter Lego-Turm in ihr Aquarium platziert wurde. Dies deutet darauf hin, dass die Aufmerksamkeit der Tiere auf den Schmerz gerichtet war, den sie erfuhren. Im Gegensatz dazu zeigten die Forellen, denen eine Salzlösung injiziert worden war, und jene, denen nach der Injektion der schmerzhaften Säure ein Schmerzmittel verabreicht worden war, das übliche Maß an Vorsicht gegenüber dem neuen Objekt. Auch Versuche mit menschlichen Patienten, die an schmerzhaften Krankheiten leiden, brachten ähnliche Ergebnisse ans Licht, und medizinischen Fachkräfte wissen seit Langem, dass eine akute Schmerzerfahrung Auswirkungen auf die üblichen kognitiven Fähigkeiten von Patienten hat.

Laut einer Studie der Zeitschrift Applied Animal Behaviour Science zeigten Fische, die brennender Hitze ausgesetzt worden waren, anschließend Anzeichen von Angst und Unbehagen. Dies verdeutlicht, dass Fische nicht nur Schmerz empfinden, sondern sich auch daran erinnern können.

Eine von Wissenschaftlern der Queen’s University Belfast durchgeführte Studie wies nach, dass auch Fische, ähnlich wie andere Tiere, lernen, Schmerz zu vermeiden. Rebecca Dunlop, eine der Wissenschaftlerinnen dieser Studie, kommentierte dies folgendermaßen: „Die Ergebnisse zeigen, dass die Schmerzvermeidung bei Fischen offenbar keine Reflexreaktion ist. Sie wird vielmehr erlernt, die Fische erinnern sich daran und passen sich an die jeweiligen Umstände an. Angesichts der Tatsache, dass Fische Schmerz spüren, kann das Angeln nicht länger als „nicht grausamer Sport“ erachtet werden.

Auch Wissenschaftler an der University of Guelph in Kanada kamen zu dem ähnlichen Ergebnis, dass Fische Angst verspüren, wenn sie gejagt werden, und dass ihr Verhalten nicht nur eine Reflexreaktion ist. „Die Fische sind verängstigt und … sie würden sich lieber nicht fürchten“, so der Studienleiter, Dr. Duncan.

Anderen Studien zufolge zeigen Fische Anzeichen von Stress auf, wenn in ihre Aquarien Netze eingetaucht oder sie auf andere Weise bedroht werden. Der Wissenschaftler William Tavolga fand beispielsweise heraus, dass Fische dunkle, kehlige Laute ausstoßen, wenn sie einen Stromschlag erleiden. Schon beim Anblick der Elektrode erinnern sich die Tiere an die schmerzhafte Erfahrung, die folgen wird, und beginnen, die kehligen Laute von sich zu geben.

Dr. Culum Brown von der Macquarie University in Australien erklärte in einem Interview im Rahmen des Programms Counterpoint der Rundfunkgesellschaft Australian Broadcasting Corporation (ABC), dass ein Fisch, der aus dem Wasser in ein Element gezogen werden, in dem er nicht atmen kann, „genau die gleiche körperliche und seelische Belastung erleidet, wie ein Mensch, der ertrinkt“.

Dr. Lynne Sneddon, Leiterin einer bahnbrechenden zweijährigen Studie, in der Wissenschaftler der Universität Edinburgh und des britischen Roslin-Instituts den Nachweis erbrachten, dass Fische tatsächlich Schmerzen empfinden, erklärte: „Im Grunde ist es eine Frage der Ethik. Ist das Angeln wirklich wichtiger als die Tatsache, dass der Fisch dabei Schmerzen leidet?“

Auch wenn Angler vermutlich nicht gerne darüber nachdenken: Das Angeln ist nichts weiter als ein grausamer, blutiger Kampfsport. Für die Fische, die am Angelhaken aufgespießt und aus dem Wasser gezogen werden, ist es alles andere als ein Spiel. Die Tiere sind verängstigt, leiden Schmerzen und kämpfen um ihr Leben. Michael Stoskopf, Professor für Aquaristik, Natur und Zoologische Medizin sowie für molekulare Toxikologie und Umwelttoxikologie an der University of North Carolina, sagte: „Es wäre ein unhaltbarer Irrtum anzunehmen, dass Fische in diesen Situationen keinen Schmerz empfinden, nur weil ihre Reaktionen nicht denen entsprechen, die Säugetiere üblicherweise aufzeigen, wenn sie unter chronischen Schmerzen leiden.“

Dr. Michael Fox, D.V.M., Ph.D., drückte es folgendermaßen aus: „Auch wenn Fische nicht – für den Menschen hörbar – schreien, wenn sie Schmerzen und Qualen erleiden, so sollte ihr Verhalten dennoch Beweis genug sein, dass sie leiden, wenn sie an Angelhaken aufgespießt oder in Netzen gefangen werden. Die Tiere wehren sich, sie versuchen zu entkommen. Das zeigt ihren Überlebenswillen.“

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PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.

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