Haustiere

Gedanken zum tragischen Beißvorfall in Rumänien

Heimatlose Hunde in einem rumänischen Tierheim
© Dr. Carmen Arsene
Heimatlose Hunde in einem rumänischen Tierheim © Dr. Carmen Arsene

Auch in deutschen Medien wurde von einem schrecklichen Vorfall in Rumänien berichtet: Hunde haben vergangenen Montag ein kleines Kind totgebissen. Während die Agentur-Meldung den rumänischen Massenmedien weitestgehend zu folgen scheinen, heimatlose Hunde hätten den Jungen auf öffentlichem Raum attackiert, kommunizieren rumänische Tierschützer eine andere Version: Der Beißvorfall habe auf einem privaten, umzäunten Gebiet stattgefunden, das das Kind ohne Begleitung betreten habe – heimatlose Hunde waren nicht beteiligt.

Wir wissen nicht, welche Version stimmt. Doch der Tod des kleinen Jungen ist in jedem Fall eine Katastrophe.

Constanta_Puppy Vet shelter paid by Cityhall
Heimatlose Hunde in einem rumänischen Tierheim
© Dr. Carmen Arsene

Leider bestätigt sich nun die Sorge der Tierschützer, dass Politiker den Fall und die Hysterie, die der Darstellung der Medien folgt, für ihre Zwecke und Ziele instrumentalisieren wollen: heimatlosen Tiere töten zu lassen. Ähnlich wie in der Ukraine sind auf rumänischen Straßen viele heimatlose Hunde Hunger, Krankheiten und der Witterung hilflos ausgesetzt – und werden zudem von Tierhassern verfolgt, gequält und getötet.

Die Diskussion um die Tötung heimatloser Tiere hat in Rumänien eine lange Geschichte. Als Argument der Behörden für Massentötungen gilt, dass die Hunde gefährlich seien und von den Straßen verschwinden müssen. Da heimatlose Tiere in der Regel ein leidvolles Leben führen, unterstützen wir den Grundgedanken – denn domestizierte Tiere brauchen menschliches Fürsorge. Wir lehnen aber immer jede Art von Gewalt und Grausamkeit gegen Tiere und selbstverständlich das Geschäft mit dem Hundemord ab.

Zumal tierfreundliche Konzepte zur Populationskontrolle existieren, die unbedingt angewendet werden müssen: die „Neuter & Release“-Methode. Dabei werden heimatlose Tiere eingefangen, kastriert, geimpft und versorgt um anschließend in ihr vertrautes Revier zurückbracht zu werden, wo sie weiter versorgt werden müssen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt dieses Vorgehen in ihren „Guidelines for Dog Population Management“. Selbstverständlich sind zusätzlich flankierende Maßnahmen unerlässlich – wie ein striktes Zucht- und Verkaufsverbot von Hunden und Katzen.

Beim „Neuter & Release“ geht es nicht um eine Aggressions-Vermeidung, sondern in erster Linie um eine tierfreundliche Populationskontrolle – die bewiesenermaßen funktionieren kann, wenn sie konsequent und flächendeckend umgesetzt wird. So konnte in der rumänischen Stadt Oradea über einem Zeitraum von sieben Jahren  die Zahl heimatloser Hunde bis 2011 von 5.000 bis 250 reduziert werden – dank eines erfolgreichen Kastrationsprogramms und der guten Zusammenarbeit von lokalen Tierschützern mit dem Bürgermeister.

Dennoch sprach sich der auf den tierfreundlichen Bürgermeister folgende Politiker 2012 dafür aus, die verbliebenden Hunde töten lassen. Handlungen und Forderungen wie diese verstärken den Eindruck, dass es vor allem gegen die Hunde geht.

Über den Autor

PETA Team

VeganBlog.de ist das Blog zum Thema Tierrechte und veganem Lifestyle von und mit den Mitarbeitern von PETA Deutschland e.V. und weiteren Koautoren.