Wir erstatten Strafanzeige: 71 Füchse getötet

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Wegen der Massentötung von Füchsen haben wir zusammen mit anderen Tierschützern Anzeige erstattet. Ende Januar hatten knapp 60 Jäger aus dem nordhessischen Hofgeismar bei einer Jagd 71 Füchse getötet.

Circa 450.000 Füchse wurden im letzten Jahr in Deutschland von Jägern getötet. Die Argumente der Jägerschaft sind die Eindämmung von Krankheiten und der Schutz von potenziellen Beutetieren des Fuchses wie Hasen oder Rebhühnern.

Trauriges Ende einer Fuchsjagd / Foto © Sandro und Bianka Pelli www.schonzeit-fuer-fuechse.de

Doch nur Jägerlatein?
Doch bei genauerer Betrachtungsweise offenbart sich wieder mal die Scheinheiligkeit dieser Argumentation: Die Hobbyjäger beanspruchen die Tötung der Waldbewohner ganz für sich allein und schalten mit dem Fuchs ihren Hauptkonkurrenten aus. Denn jährlich werden über 300.000 Feldhasen von Jägern erschossen und sogar mehrere tausend der immer seltener werdenden Rebhühner. Hase, Rebhuhn & Co. werden also vor dem Fuchs „geschützt“, damit die Jäger die Tiere selber abknallen können.

Angst vor dem Fuchs wird absichtlich geschürt
Auch die ständige Verunglimpfung des Fuchses als Tollwut- oder Fuchsbandwurmträger entbehrt jeder Grundlage und dient nur der Rechtfertigung der Lust am Töten: Laut Professor Klaus Brehm, Biologe am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg, ist eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm unwahrscheinlicher als ein Sechser im Lotto. Und der letzte Tollwutfall bei einem Fuchs wurde in Deutschland 2006 festgestellt, daher gilt Deutschland als tollwutfrei. Weitere Infos über die Sinnlosigkeit der Jagd findet ihr hier.

  • nachfrager

    Ich bin mit der Jagd aufgewachsen, meine Eltern sind beide Jäger, ich aber
    nicht. Ich hab in meinem Leben viele Aspekte der Jagd und viele Jäger
    kennen gelernt. Es waren auch schießwütige Arschlöcher dabei, deren
    Hauptinteresse tatsächlich das Töten war. Es waren aber auch begeisterte
    Naturfreunde dabei die sich für Umweltschutz und Artenvielfalt
    eingesetzt haben. Jedes Bild hat zwei Seiten, in den meisten Medien sieht aber
    immer nur Bilder wie das oben und nie wird die ganze Geschichte erzählt.Zum
    Beispiel der Fuchs ist ein Raubtier und verfügt über keine natürlichen
    Feinde und kaum Nahrungskonkurrenten. Außerdem ist er hervorragend an
    die vom Menschen geprägte Umwelt angepasst und ist in der Lage in
    Niederwildbeständen (und auch in Hühnerställen) erheblichen Schaden
    anzurichten. In vielen (aber längst nicht allen) Gegenden macht es also durchaus Sinn Fuchsjagd zu
    betreiben. Im Jagdrevier meiner Eltern in der brandenburgischen
    Wiesenlandschaft gibt es zum Beispiel kaum noch Hasen und Rebhühner,
    also werden dort Füchse bejagt und Hasen und Kaninchen in Ruhe gelassen. Die Fuchsjagd dort dient also der Erhaltung der Artenvielfalt. In der Gegend wandern auch immer mehr Waschbären und Marderhunde zu, Tierarten die dort absolut nichts zu suchen haben und auch noch die letzten Niederwildbestände in der Kulturlandschaft vernichten. Da ist es doch
    logisch, dass diese eindringlinge intensiv bejagt werden, oder? Genauso
    ist es zur Zeit sinnvoll Schwarzwild (Wildschweine) zu bejagen die sich auf Grund der “Vermaisung” Deutschlands durch subventionierte Maisfelder  explosionsartig vermehrt haben. Generell wird übrigens deutlich weniger “geballert” als der Laie annimmt, da für
    jedes Revier Abschussvorgaben erstellt werden die sich nach dem vorkommen der Tierbestände in der Region richten. Ein Revierinhaber ist übrigens auch den Bauern gegenüber Schadenersatzpflichtig für den Schaden den das Wild auf den Feldern anrichtet. Daher liegt es in der Regel nicht im Interesse der Revierinhaber Schwarz- und Schalenwild künstlich aufzupäppeln. Natürlich gibt es auch da Ausnahmen, die verboten gehören, das will ich ja nicht leugnen.

    Was den “Thrill” angeht, sicherlich haben viele, ich glaube sogar fast alle Jäger Spaß am schießen, aber durch das Schießen wird den meisten Tieren ein schmerz- und stressfreier Tot gewährt. Ganz im Gegensatz zum Schlachtvieh das teilweise durch halb Europa transportiert wird und dann in Schlachtfabriken stressvoll stirbt. Ich möchte hier nicht noch eine ebatte über Fleischkonsum im allgemeinen enstehen lassen aber ich denke fast jeder wird mr zustimmen wenn ich sage: lieber ein Stück
    Rehwild das ein würdevolles Leben geführt hat und kurz und stressfrei
    gestorben ist, als ein Schwein das sein Leben lang nichts anderes als seine Box und den Schlachthof gesehen hat.

    Abschließend: Sinnlosem Schießen und Töten muss Einhalt geboten werden, keine Frage, aber eine etwas differenzierte Berichterstattung wäre wünschenswert!
    Nicht nur ein schreckliches Bild dessen Zusammenhang man nicht kennt und
    ein undifferenzierter Text daneben!

    • 90Melanie33

      Konventionelle Landwirtschaft und die Jagd sind die größten Feinde der Artenvielfalt!
      Beutegreifer erbeuten hauptsächlich alte, kranke und schwache Tiere und tragen zum gesunden Wildbestand bei.  Der Jäger ist dagegen doch oft auf Trophähenträger aus und praktiziert eine naturwiedrige Fehlauslese.
      Jagd bedeutet eine Störung des natürlichen Gleichgewichts der Öko-Systeme.
      Es gab schon einige Studien von Ökologen die ergaben, das Tiere über einen Mechanismus zur Regulierung des Populationswachstums verfügen… dazu braucht es keine Jagd.. droht eine Überopoulation wird die Geburtenrate gesenkt.
      Ich bin mir auch nicht sicher welches Sterben jetzt “schöner” sein soll?.. von Hunden und Jägern gehezt in Totesangst mit Blei durchschossen oder als Schlachtvieh..
      De Tod durch den Jäger ist keinesfalls stressfrei!

      • nachfrager

        Am 01.03.2013 15:38, schrieb Disqus:

      • Alexia Kutschmar

         Es mag Ökosysteme geben, die stabil und sind die Artenvielfalt in ihnen unterstützen.  Aber auf die meisten trifft das nicht zu.
        Weder Tiere noch Pflanzen verfügen über einen geheimnisvollen Sinn, der ihnen sagt “Ab jetzt nicht mehr Nachwuchs produzieren” oder “Jetzt eine andere Nahrungsquelle suchen, damit die Hasen sich erholen können”. Der einzige Regulator ist Nahrungsmangel, der Hungersnot verursacht.
        Aber wenn es soweit ist, bedeutet dass, das “natürliche Gleichgewicht” bereits gekippt ist. Und es ist fraglich, ob es wieder in den alten Zustand zurückkehren kann.

    • http://www.peta.de/ PETA

      Erst mal vielen Dank für deine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema. Vielen Dank auch an Melanie und Gabriele, die schon einige wesenliche Punkte genannt haben.  Viele unsachliche Argumente, die von Jägern seit Jahrzehnten vorgetragen werden, sind nur schwer richtigzustellen. Bitte schüttele mal alles, was dir Jäger über die Fuchsjagd erzählt haben, für einen Moment ab und lies mal dieses interessanten Beitrag mit vielen Hintergrundinfos über die Fuchsjagd: http://www.abschaffung-der-jagd.de/fakten/forschungtexteartikel/derfuchsunddasjaegerlatein/index.html
      Peter Höffken / PETA Deutschand

  • Gabriele Flückiger

    Hier muß ich widersprechen. Unsere Jagdgesetze sind total überaltert und sollten endlich reformiert werden. Die Jäger sind keine Naturfreunde und dem ökologischen Gleichgewicht eher abträglich. Der Fuchs steht am Ende der Nahrungskette, im Osten der Republik der Wolf. Wir brauchen den Fuchs auch als Aasfresser, sprich Gesundheitspolizei. Er, als Solitärjäger, hält auch die Bestände gesund, indem er auch kranke und alte Tiere jagt und fängt.  Es ist auch bekannt, dass Reviere, in denen der Bestand “weggeschossen” wird, zeitnah wieder besetzt werden und sich auch die Fortpflanzungsrate erhöht. 
    Es gibt jede Menge Jägerlügen, die alle widerlegt sind, aber immer noch der breiten, schlecht informierten Bürgerschaft als Motiv “pro Jagd” suggeriert werden.
    Die Artenvielfalt erhöht sich nicht, weil Füchse oder auch Dachse erschossen werden. Auch das gehört in’s Reich der Jägerlügen. Der Mensch greift ständig in die Natur ein, völlig widersinnig und aus egoistischen Motiven.
    Wildbret ist genauso ungesund wie Fleisch von den sogenannten “Nutztieren”. Auch Wildtiere sterben keinen schönen und stressfreien Tod. Rehe und Wildschweine sind bei einer Treibjagd ebenso gestresst wie Schweine oder Kühe vor ihrer Schlachtung und das Fleisch kann nicht gesund sein. 
    Zitat Gert Haucke: “Bundespräsident Theodor Heuss – das waren noch Zeiten – bezeichnete die Jägerei als eine Form menschlischer Geisteskrankheit”. Dem kann ich mich nur anschließen.     
         

  • Gabbo

    Traurig! 

  • Alexia Kutschmar

    Ich habe zwar mit der Jagd nichts zu tun, weiß aber ein paar Dinge über Ökologie.

    Europa ist derart dicht von Menschen besiedelt, dass es hier keine “natürlichen” Ökosystem mehr gibt. Ich schreibe “natürlich” in Anführungszeichen, weil viele Menschen annehmen, dass der Begriff bedeutet, dass der Mensch keinen Einfluss nimmt. Da Menschen aber nun einmal da sind und Einfluss nehmen, ist es sinnvoll, dass diese auch nach ihren Moralvorstellungen zumindest versuchen, zu regulieren. Der kleinste gemeinsame Nenner bei den vielen individuellen Moralvorstellungen heißt “Artenvielfalt erhalten”. Und genau das schafft die Natur ohne den Menschen nur in den seltensten Fällen.

    Ohne menschliche Eingriffe würden Wildschweine, die quasi ohne Wölfe keine “natürlichen” Feinde mehr haben, die Botanik ernsthaft schädigen. Auch Rehe, die im Winter außer Baumrinde kaum etwas zu fressen finden, tun das. Was mit einem Baum passiert, dessen Rinde rundherum abgeschält wurde, brauche ich nicht zu erklären, oder?
    Füchse finden vielleicht nicht ALLE Hasen oder Rebhühner, bevor sie nichts mehr finden und auf der Suche nach Nahrung abwandern. Nur ist eine Population von einer Handvoll Hasen oder Rebhühnern bereits ernsthaft gefährdet. Der Mensch könnte jetzt eingreifen, einen Zaun um die verbliebenen Tiere ziehen und versuchen, die Population wieder hochzuzüchten. Aber das ist teuer und nur wenig erfolgversprechend. Auch ein Jäger muss diese erst einmal finden.
    Selbst die Botanik selbst muss im Interesse der Artenvielfalt reguliert werden. In der Nähe meines Elternhauses gibt es zum Beispiel einen Wald. In diesem Wald liegt ein Niedermoor. Als meine Familie 1990 dorthin gezogen ist, War das Moor sehr reich an Wasser. Vereinzelt ragten Ballen von Gräsern aus der Wasseroberfläche, Schilf wuchs an manchen Stellen und es war an vielen Stellen tief genug, dass Gummistiefel nicht mehr reichten, um trockenen Fußes hindurchzulaufen. (Ich weiß, man sollte sowieso auf den vorgesehenen Pfaden bleiben. Aber wir waren Kinder und dieser Sumpf ein tolles Abenteuer.) Aber: Um den Sumpf herum wächst eben ein Wald. Blätter fallen ins Wasser und vermodern, Staub in der Luft sorgt für Nähstoffzufuhr und fördert das Wachstum des Sumpfgrases. Tiere (inklusive homo sapiens) verrichten ihr Geschäft darin … Im Jahr 2010 war kaum noch Wasser übrig.
    Der Sumpf war kaum noch mehr als eine große, nasse Wiese mit ein paar vereinzelten Wasserlöchern. Keine Amphibien mehr, kaum noch Insekten, Reiher hatte ich auch schon seit Jahren keine mehr gesehen.

    Dann rückten im Späten Herbst Bagger an. Zuerst dachte ich “WTF?”. Aber es war alles in Ordnung. Der ganze Schlamm, der sich über zwei Dekaden hinweg angesammelt hatte, wurde zusammen mit großen Teilen des Grases ausgegraben. Das Wasser kam von allein wieder. Die Restaurierungsarbeiten ruhten im Winter und wurden im Frühling beendet. Im Sommer konnte ich wieder den Ausblick aufs Wasser genießen. Im folgenden Frühling streckten am ganzen Ufer entlang Frösche ihre Köpfe aus dem Wasser und einige Lurche konnte ich auch am Grund entlang kriechen sehen. Mit den Fröschen statteten auch Reiher dem Sumpf wieder ihre Besuche ab. Happy End – Dank menschlichem Eingriffs.
    Wäre die Natur sich selbst überlassen worden, währe der Sumpf auf nimmerwiedersehen verschwunden. Andere Moore ebenso. Bis mal wieder eine Eiszeit das sich langsam ebnende Land neu formt, Hügel aufschiebt und Löcher in den Boden fräst, in denen später wieder Seen oder Sümpfe entstehen können. Oder bis ein zufälliger Erdrutsch einen Flussarm abschneidet.

    Es gibt noch mehr Beispiele, aber ich glaube, mein Punkt ist klar: Der Mensch ist bereits ein Teil der Ökosysteme. Und er ist der einzige Teil, der in einer Art und Weise regulieren kann, die im Interesse einer hohen Artenvielfalt steht.