Nein zu Fleisch- aber nicht nur für Pferdefleisch!

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Kommentar von Harald Ullmann, Vorstand von PETA Deutschland e.V. zu den aktuellen Ereignissen:

Mit jedem Tag, der neue Enthüllungen über Fertiggerichte mit Pferdefleischgehalt ans Licht bringt, steigen das Entsetzen und die Empörung der Verbraucher. Und so sollte es auch sein, denn schließlich sind Pferde kluge, empfindsame Tiere, die ein besseres Schicksal verdienen, als durch einen Bolzenschuss getötet zu werden. Es ist ein langsamer und qualvoller Tod, den die Tiere erleiden, denn nicht selten führen achtlose Arbeiter mehrere schlecht gezielte Schüsse durch, bis das Pferd schließlich stirbt. Anschließend bluten die Tiere aus und werden gehäutet – oftmals vor den Augen anderer verängstigter Pferde.

Doch auch die Kühe, die gezüchtet und getötet werden, um das Rindfleisch zu produzieren, das laut Etikett in der Lasagne eines Lebensmittelherstellers oder in der Spaghetti Bolognese eines anderen enthalten ist, sind kluge und empfindsame Tiere. Auch sie verdienen ein weit besseres Schicksal, als skrupellos ausgebeutet und grausam getötet zu werden. Warum sind wir also nicht genauso entsetzt und empört darüber, dass die zerkleinerten und zermahlenen Körper von Kühen in unserem Essen landen?

Wie Pferde sind auch Kühe Individuen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten. Manche Kühe sind furchtlos und abenteuerlustig, andere scheu und ängstlich. Kühe sind intelligente und neugierige Tiere. Sie entwickeln soziale Hierarchien, gehen enge Freundschaften ein und bilden Gruppen. Diese zärtlichen Riesen trauern, wenn jemand stirbt, den sie lieben, oder wenn sie voneinander getrennt werden. Unzählige Berichte informieren über Mutterkühe, die verzweifelt nach ihren Babys rufen und diese suchen – und das auch noch lange, nachdem sie ihnen weggenommen wurden, um getötet und dann zu Kalbfleisch verarbeitet zu werden.

Kühe sind zudem dafür bekannt, außerordentliche Fluchtversuche zu unternehmen, um dem Schlachthof zu entkommen. So rettete sich beispielsweise eine Kuh mit einem riesigen Sprung über ein 1,5 Meter hohes Tor aus einem US-amerikanischen Schlachthof in die Wälder, wo sie wochenlang bei eisigen Wintertemperaturen ausharrte. Als sie schließlich gefunden wurde, bestand die Öffentlichkeit darauf, dass der Schlachthof die Kuh, die nun ‚Emily‘ genannt wurde, einem Gnadenhof übergab, wo sie ihre verbleibenden Tage in Frieden verbringen konnte. Hierzulande sorgte 2011 die Kuh ‚Yvonne‘  bundesweit für Aufsehen: auch sie entfloh und hielt sich Monate versteckt – und lebt nun auf einem Gnadenhof.

Doch nur wenige Tiere, die für die Fleischproduktion gezüchtet werden, haben Aussicht auf ein glückliches Schicksal, wie es Emily oder Yvonne beschert wurde. In der modernen Intensivtierhaltung leben die Tiere zu Tausenden, eng gedrängt in verdreckten, fensterlosen Hallen, Drahtkäfigen, Abferkelbuchten und anderen Vorrichtungen, mit denen Tiere auf engstem Raum eingesperrt werden. Hühnern werden große Mengen von wachstumsfördernden Medikamenten verabreicht. Dies führt dazu, dass die Tiere oft unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen. Ferkeln werden ohne Gabe von Schmerzmitteln die Zähne gekappt und die Schwänze abgeschnitten. Diese unglücklichen Tiere haben niemals die Möglichkeit, sich um ihren Nachwuchs zu kümmern, in der Erde zu wühlen, Nester zu bauen oder auf andere Weise ihren artspezifischen Bedürfnissen nachzugehen und das zu tun, was die Natur für sie vorgesehen hat. Das erste Mal, dass Tiere aus der Intensivtierhaltung in ihrem Leben frische Luft einatmen, ist möglicherweise auf dem Transport zum Schlachthof.

Im Schlachthof angekommen erhalten sie mit einem Bolzenschussgerät einen Schuss in den Kopf, werden an einem Bein aufgehängt und in den Schlachtraum transportiert, wo ihnen die Kehle durchgeschnitten wird und sie gehäutet und ausgeweidet werden. Manche Kühe erleben den ganzen grauenhaften Prozess noch bei vollem Bewusstsein. Wenn die Fleischproduzenten Hunde und Katzen so misshandeln würden, wie sie es den Tieren, die für die Fleischproduktion gezüchtet werden, antun, würde man sie anzeigen und ins Gefängnis bringen.

Alle Tiere sind Wesen aus Fleisch, Blut und Knochen. Ob man nun das Fleisch eines Pferdes oder das eines Hundes isst – es ist das Gleiche, wie das Fleisch einer Kuh zu essen, oder das eines Schweins, eines Huhns, eines Lamms oder irgendeines anderen Tieres. Auch heute noch werden in anderen Ländern der Welt Tiere, die in unserer Kultur dem Menschen sehr nahe stehen, regelmäßig ihres Fleisches wegen getötet – so auch Hunde und Pferde.

Es liegt an unserer Voreingenommenheit, dass wir bestimmte Tierarten als Teil der Familie ansehen und andere gleichzeitig so rücksichtslos behandeln, als seien sie lediglich Ware. Was die Leidensfähigkeit angeht, so besteht kein Unterschied zwischen einer Kuh, einem Pferd, einem Hund und selbst einem Menschen. Wir alle verfügen über die gleiche Fähigkeit, Angst und Schmerz zu verspüren. Wir haben alle den Wunsch, ein natürliches Leben zu führen – ein Leben ohne unnötige Leiden und Schmerzen.

Die Menschen sind zu Recht empört, wenn sie herausfinden, dass sie möglicherweise seit Jahren wider Willen Pferdefleisch essen, und es freut uns, dass sie sich um das Leiden der Pferde sorgen. Ja, es ist ganz sicher nicht in Ordnung, Pferde zu essen – aber gleichzeitig ist es auch nicht richtig, überhaupt Tiere zu essen.

Glücklicherweise ist es in unserer modernen Welt der praktisch unbegrenzten Möglichkeiten so leicht wie nie zuvor, sich tierfrei zu ernähren. Die vegane Ernährung versorgt den menschlichen Körper mit allen erforderlichen Nährstoffen und schützt uns gleichzeitig vor den gesättigten Fettsäuren, dem Cholesterin und den Rückstanden, die in Fleisch, Eiern und Milch enthalten sind. Eine pflanzenbasierte Ernährung trägt zudem zum Schutz vor zahlreichen unheilbaren Krankheiten bei und schont die Umwelt. Und das Beste daran: Vegane Gerichte bieten köstliche und aufregende Geschmackserlebnisse und sind ausgesprochen vielseitig. Es gibt viele gute Gründe, um tierische Produkte von unserem Speiseplan zu streichen – aber nicht einen einzigen wahren Grund, dies nicht zu tun.

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  • Stiftung Lebenshof

    warum macht man sich nicht die Mühe und schreibt einen eigenen text? Es ist doch peinlich zu lesen, daß in Deutschland Kälber nach Europa verschifft werden. Wir brauchen auch nicht die US Kuh Emily heranzuziehen, denn auch auf deutschen Schlachthöfen reissen fast jede Woche Tiere aus und werden in US-Wildwest Manier meist im öffentlichen Raum sofort erschossen.

    Sich ein klein wenig mehr Mühe zu geben und einen für deutsche Leser passenden Text zu erstellen ist doch nicht zuviel verlangt.

    Das was hier zu lesen ist, ist redundant und überflüssig und beleidigt die Intelliegenz der Leser