Das Bremer Affen-Urteil: Unsere Analyse

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Am 11. Dezember 2012 hat das Oberverwaltungsgericht Bremen eine für viele von uns schockierende Fehleinschätzung getroffen und die grausamen Affenversuche der Bremer Forscher um Andreas Kreiter für zulässig erklärt. Wir haben uns Gedanken darüber gemacht und drei entscheidende Aspekte im Zusammenhang mit dem Urteil herausgegriffen:

  1. PETA_Tierversuche_Affe_A2Gutachterstreit zulasten der Tiere: Über die Affenversuche in Bremen wird seit Jahren gestritten (hier eine Chronik der Ereignisse seit 1996), verschiedenste Gutachten zur Schwere der Belastung der Affen durch die Experimente wurden eingeholt und nun von den Richtern des OVG ausgewertet. Leider ist es häufig so, dass zugunsten der  Betroffenen (in diesem Fall Kreiter bzw. die Uni Bremen) entschieden wird, sobald Gutachter sich nicht einig sind; so auch hier. Dabei ist ausgerechnet eines der ausschlaggebenden Gutachten,  welches den Versuchen maximal eine mäßige Belastung der Affen attestiert, von einem Wissenschaftler des Deutschen Primatenzentrums in Göttingen geschrieben worden! Diese Einrichtung verdient ihr Geld mit Affenversuchen sowie mit der Zucht von Affen und dem Verkauf an Tierversuchseinrichtungen (unter anderem auch die Uni Bremen). Interessenskonflikt? Leider ja, leider aber nicht in den Augen des OVG. Wir finden: anstatt Horden von Gutachtern zu beschäftigen, hätte es den Entscheidungsträgern ganz gut getan, einfach mal selbst auszuprobieren, was den Affen in Kreiters Labor jeden Tag widerfährt: Flüssigkeitsentzug und nur zur Belohnung bei stundenlangen Ratenspielen mal ein Tröpfchen Apfelschorle. Ob sie die Belastung dann immer noch als höchstens mäßig eingestuft hätten?!
  2. Affenversuche in anderen Bundesländern: Leider gibt es Experimente wie die von Kreiter & Co. auch noch in anderen deutschen Städten, zum Beispiel in Tübingen. Im baden-württembergischen Landtagswahlkampf 2011 hatten die Grünen zwar versprochen, die Versuche beenden zu wollen, sollten sie gewählt werden. Einmal an der Regierung, stehen sie nun vor bürokratischen Hürden und fraktionsinternen Unstimmigkeiten, Tierfreunde sind enttäuscht von den unendlich langsam mahlenden Mühlen der Politik. Trotzdem gibt es Bewegung und Bemühungen, in Tübingen nicht ein ähnliches Fiasko zu erleben wie in Bremen: Bei einer Anhörung im Stuttgarter Landtag Mitte November wurde heiß über die Affenversuche in Tübingen diskutiert, auch wir waren natürlich vor Ort und hoffen, dass dieser Termin nur der Beginn intensiver gemeinsamer Anstrengungen von Politik und Verbänden war, die Experimente in Tübingen zu beenden. Außerdem soll auch in Baden-Württemberg ein Verbandsklagerecht für Tierschutz- und Tierrechtsverbände eingeführt werden (allerdings ein stärkeres als in Bremen), so dass dann auch die Möglichkeit besteht, rechtlich gegen Genehmigungen solcher Versuche anzugehen.
  3. PETA-BorgmannAktiv werden:  Rückschläge wie das Bremer Urteil sind nicht nur Teil unserer Arbeit, sondern jeder der sich in irgendeiner Weise für Tiere und ihre Rechte einsetzt, kennt Situationen wie diese. Wir dürfen und werden uns davon natürlich nicht entmutigen lassen, sondern im Gegenteil: Durch die jahrelangen intensiven Proteste mussten Kreiter & Co. immer wieder Rückschläge einstecken, längst ist Primatenforschern wie ihnen klar, dass sie in Deutschland nicht ungehindert machen können, was sie möchten. Auch in Tübingen spüren die Verantwortlichen massiven Gegenwind. Aktivismus und Proteste sind die einzige Möglichkeit, die Politik in Bewegung zu setzen. Sowohl in Bremen als auch an den anderen Standorten wird es deshalb eines Tages keine grausamen Versuche an unseren nächsten Verwandten mehr geben, davon sind wir überzeugt. Wann genau das sein wird, hängt von jedem einzelnen von uns ab, deshalb werdet aktiv!
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