stop eating animals
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Was ist das?

Warum werden Veganer oft als fordernd empfunden oder gar als militant? Wahrscheinlich gibt es einen einfachen Grund dafür: weil sie fordernd und militant sind. Und manche nennen das dann missionarisch. Und wie nennt man es, wenn ein Veganer vor einem Omnivoren steht? Richtig! Missionarsstellung.

Es ist also manchmal ganz einfach und ein Veganer muss sich da gar nicht so winden und drehen à la: „ach, ich lass dich ja machen, jeder muss es selbst wissen. Und ich fass dich jetzt auch mit Seidenhandschuhen an, damit du dich ja nicht ungerecht behandelt fühlst.“

Es ist schon erstaunlich, warum Veganer zwar als empörte Mitmenschen wahrgenommen werden, sich aber nur wenige dafür interessieren, was sie denn überhaupt so empört.

Stellen Sie sich vor, Sie wären ein eifriger Mülltrenner. Vermutlich müssen Sie sich das nicht einmal vorstellen, weil Sie das ja ohnehin sind. So wie die meisten Mitbürger in unserem Ländle. Auf jeden Fall stehen Sie an den verschiedenfarbigen Tonnen des Mehrfamilienhauses in dem Sie wohnen – wie gesagt einfach vorstellen – und geben das Papier in die Papiertonne, das grüne Glas in die Grünglastonne, den Biomüll in die Biotonne und dann kommt doch dieser Flegel aus der 3. Etage und schmeißt einfach seinen Restmüll in die Biotonne, deren Deckel Sie gerade noch aufhalten.

So eine Frechheit! Lümmel! Es ist unglaublich, diese Ignoranz! Und dann rufen Sie ihm ihre Empörung hinterher und ernten dafür nur ein freches Grinsen und ein: „Lass mich in Ruhe mit Deinem Gemecker! Du nervst!“

Sie wissen ja: landet Restmüll in der Biotonne, Zigarettenkippen, alte Dosen und Styropor, dann wird das ein Problem geben bei der Kompostierung. Der Müll wird möglicherweise irgendwann auf einem Feld landen und dort Schaden anrichten.

Fühlen Sie etwas dabei? So ein bisschen Empörung über diesen Flegel? Dann können Sie nun auch ein bisschen nachempfinden, wie es einem Menschen geht, der um die Folgen des Tierkonsums weiß, damit aber auf taube Ohren stößt. Der Unterschied zum Mülltrenner ist freilich der, daß für einen Veganer die Welt voll ist von Menschen, die ihren Restmüll in die Biotonne werfen. Im Minutentakt geht das so und wenn man den Finger hebt, wird man ausgelacht oder beschimpft dafür. Und in der Zeitung steht auch noch: Mülltrennen ist Mist!

Dabei wissen Sie: die Rechnung müssen wir alle bezahlen am Ende. Wir alle werden leiden unter der unwiederbringlichen Zerstörung der Regenwälder für den Anbau von Tierfutter oder Palmöl. Wir alle werden leiden unter der Ruinierung unserer Böden durch Gülle und der Belastung des Trinkwassers. Wir alle werden die Rechnung bezahlen für den unkontrollierten Einsatz von Antibiotika in der Intensivtierhaltung. Wussten Sie, daß jährlich inzwischen viele Tausend Menschen in Deutschland an resistenten Erregern sterben und die Ärztewelt fürchtet, daß unsere Medizin bald auf den Stand von vor der Entdeckung der Antibiotika zurückgeworfen werden wird? Schon heute sterben Menschen wieder an Krankheiten, die noch vor 10 Jahren kein Problem darstellten. Neugeborene sterben an resistenten Erregern. Und in jedem zweiten Hähnchenschenkel finden die sich inzwischen. Und wenn Sie den in den Einkaufswagen legen, bringen Sie möglicherweise auch resistente Erreger in den Umlauf.

Die Rechnung für den Fleischkonsum bezahlt am Ende auch der Veganer. Auch er wird beteiligt an den gewaltigen Folgekosten. Gesundheitswesen, ökologische Katastrophen, Ruinierung der Meere, Ausrenkung des Weltklimas.

Und nun versetzen Sie sich doch einmal in seine Lage. Stellen Sie sich vor, Sie hätten ihre Vorurteile abgelegt und sich einmal wie er über die Hintergründe der Tierproduktion informiert. Stellen Sie sich vor, daß Sie wie Millionen andere Menschen erschrocken sind über die Ausmaße der Probleme und daß auch sie begreifen: da geht etwas ganz mächtig in die Hose und es ist absehbar, daß auch ich zur Kasse gebeten werde, obwohl ich da gar nicht mehr dran beteiligt bin.

Schaffen Sie das? Diese Vorstellung? Es sieht Sie ja keiner dabei. Nur für einen Augenblick. Bitte.

Und jetzt! Können Sie jetzt so ein bisschen verstehen, warum ein Veganer es nicht lustig findet, wenn man sich über ihn und sein Thema lustig macht? Können Sie jetzt vielleicht ein bisschen verstehen, warum ein Veganer so ernst wird bei diesem Thema? Und warum er gar fordernd werden kann? Und manche auch militant, weil sie die Ignoranz um sich herum einfach nicht mehr aushalten?

Können Sie?

Wenn ja: dann danke ich Ihnen dafür und vielleicht erinnern Sie sich an diesen Moment, wenn Sie das nächste Mal mit einem Veganer ins Gespräch kommen. Oder noch besser: Vielleicht gelingt Ihnen ja nun auch die Einsicht in die Notwendigkeit, sich selbst einmal mit den Hintergründen der Fleischproduktion zu befassen. Sie müssen ja nicht gleich Veganer werden. Es wäre schon ein guter Anfang, den eigenen Anteil am Problemberg zu senken, den wir den kommenden Generationen hinterlassen.

Wenn nein: dann sind Sie nicht besser als der Lümmel aus der 3. Etage.

So! Das musste jetzt aber auch sein …

hr Marsili Cronberg

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Marsili

Der Autor und Blogger schreibt aus der Zukunft und weiß, wie wichtig es ist, die Tierausbeutung zu beenden. Sein im Echoverlag erschienenes Buch "Wie ich verlernte, Tiere zu essen" gehört inzwischen zu den Klassikern der Tierrechtsliteratur. Im Dezember 2013 erschienen mit "Fantasia-vom Kochen und Träumen" und "Bemba-Reise zum Saturn" seine Bücher drei und vier.