Leder entsteht im Bioreaktor

Macht der 3D-Drucker die Zucht von Kühen überflüssig? © Istockphoto.com Bronswerk

In fünf Jahren will die US-Firma Modern Meadow bereits Leder aus dem Bioreaktor massenweise produzieren lassen. Bisher war spekuliert worden, welches das Startprojekt der neu gegründeten Firma ist. „Unser erster Schwerpunkt ist nicht Fleisch, sondern Leder“, äußerte sich CEO Andras Forgacs. „Der Hauptgrund ist, technisch gesehen, dass Haut eine simplere Struktur als Fleisch hat, weshalb es einfacher zu produzieren ist.“

In-Vitro-Leder entsteht bei Modern Meadow durch die Entnahme von Zellgewebe bei Kühen, deren Isolierung und teilweisen Modifizierung. Anschließend werden die Zellen im Bioreaktor milliardenfach vermehrt und im 3D-Biodrucker zu einer festen Struktur zusammengesetzt. Diese Zellkulturen reifen dann unter natürlichen biochemischen Prozessen über Wochen zu Häuten heran und können aufgrund fehlender Haare und regelmäßiger Struktur einfacher und somit umweltfreundlicher gegerbt und weiterverarbeitet werden. Die komplexere Entwicklung von Muskelgewebe für Fleisch soll folgen.

PETA fördert ebenfalls die Forschung zu In-Vitro-Fleisch, um auch den Menschen eine tierfreundliche Alternative aufzuzeigen, die sich noch nicht rein pflanzlich ernähren. Leder aus dem Bioreaktor ist die logische Umsetzung heutiger wissenschaftlicher Erkenntnisse und laut Forgacs geht es lediglich „um die technischen Herausforderungen“.

Kein mitfühlender Mensch muss jedoch bis dahin warten! PETA weist in seinem Shoppingguide auf die vielfältigen Geschäfte und Modehäuser hin, die stylische Schuhe, Taschen und Jacken anbieten, für die kein Tier sterben musste.

  • Hartmut1000

    Danke für diesen Beitrag . Leider gibt es so gut wie keinlerei Infiormationen unter
    Modern Meadow

  • Wolfsfan

    Das wäre ja fantastisch! Leder im Bio-Reaktor herzustellen ist ein weiterer Meilenstein um Tieren viel
    Leid zu ersparen. Wenn es auch noch irgendwann mit Fleisch gelingen sollte, könnte man die Massentierställe endlich dicht machen.
     
    Das gibt Grund zur Hoffnung!

  • Reg09

    oh tolle fortschritte!
    dann wird es auch noch für die ‘faulpelze’ etwas geben um fleisch zu ersetzen! (ich würds aber dennoch nicht essen das in-vitro-zeugs …)

  • http://www.facebook.com/people/Laura-Fisch/100001220842167 Laura Fisch

    Leder ok, damit könnte man umweltschädliches Kunstleder ersetzen, aber Fleisch bewerben? Das passt nicht zu den vielgepriesenen Gesundheitsvorteilen des Veganismus. Später heißt es dann immer noch, dass wir uns fehlernähren würden und wir doch gefälligst das In-vitro-Fleisch essen sollen oder wenigstens unseren Kindern geben sollen. Dieses Fleisch kann meinetwegen als Tierfutter verkauft werden, aber nicht für uns zum Verzehr freigegeben werden, außer in Notfällen (ich denke dabei an Krisengebiete und Krankheitsgründe, wie etwa extreme tägliche Gewichtsabnahme).

    Die Zucht von Kühen werden wir trotz neuem Leder nicht einfach so beenden, aber in einem ganz andere Ausmaß und in einer anderen Form:

    1.: Kühe
    schaden nicht per se der Umwelt. Bei einer natürlichen Haltungsform
    ohne Überpopulation und einer Fütterung mit Wiesenheu fördern sie sogar
    die Artenvielfalt. Es sind Tiere und keine Autos, sie haben
    demnach also auch keinen “Methanaustoß” und der ist nicht mit denen der
    Rinder zu vergleichen, die in der Intensivmast gehalten werden. Mein
    Lieblingsvergleich, den ich in dem Zusammenhang immer erwähne: Auch
    Waljäger haben das einmal als Argument gegen Wale angeführt, da sie dem
    Klima wesentlich stärker schaden als Rinder. Naturwissenschaftler fanden
    jedoch heraus, dass die eisenhaltigen Ausscheidungen (vom gegessenen
    Krill) das Wachstum des Phytoplankton fördert. Phytoplankton ist noch
    vor den Urwäldern die größte Quelle unseres Sauerstoffs.

    2.: Die domestizierten Rassen sind die Nachfahren und einzigen
    Überbleibsel der Auerochsen. Im Grunde genommen reichen nur wenige
    Hausrindrassen (ohne die Hochleistungsrassen!!)
    für unsere Natur aus. Darunter das “zurechtgezüchtete” und robuste
    Heckrind, das den Auerochsen zumindest ähnelt. Auerhähne mögen
    beispielsweise offene Lichtungen (auch durch Windwurf entstanden) und
    nicht allzu dichte Wälder. Deswegen kann eine gezielte Beweidung im Wald
    sinnvoll sein. Ebenso wie das Freihalten von Trockenrasen und Auwiesen,
    sodass auch seltene Blumen- u. Insektenarten dauerhaft Licht und Platz
    haben. Ein Mosaik aus Wäldern und Wiesen wäre optimal, aber wir Menschen
    mit unseren Städten, Straßen und auch der Landwirtschaft breiten uns
    natürlich immer weiter aus. Dagegen kann man wohl nichts mehr machen.

    3.: Diese verbliebenen Rinder müssen natürlich nicht exakten Rassevorstellungen entsprechen, sie dürfen nicht geschlachtet und gemolken werden und die Subventionen, die es vorher für die Massentierhaltung und die Tierproduktindustrie gab, müssen für die Haltung der “halbfreien” Rinder aufgewendet werden. Wenn dieser Zeitpunkt erreicht ist, werden sich die Menschen hoffentlich weitestgehend vegan ernähren und die Tiere liebevoll behandeln.

    • Reg09

      hm …. sehr schöne theorie und tolle zusammentragng von fakten, wirklich, aber eines versteh ich nicht:
      du sagst, dass rinder im allgemeinen ja nicht schlecht sind, stimm ich dir zu.
      aber du sagst auch, dass man sie so halten sollte, wie du beschrieben und nicht schlachten, melken usw sollte. wer würde dann rinder halten, ausser ein paar wenige, sozusagen als ‘hobby’? da würd man sonst nämlich nicht viel von haben …

      • N R

        Staatlich finanzierte Landschaftspflege findet auch heute schon statt, würde somit nur durch einen weiteren Posten erweitert :)

        Und wer den Service privat nutzen möchte kann ja dafür bezahen – entweder an die Stadt/den Staat der die Tiere hält oder private Halter die ihre Tiere gegen Bezahlung anbieten :)