Tierarzt = Tierschützer?

Wer Tierarzt werden will, ist tierlieb, ein Tierschützer. Dessen war ich mir vor meinem Tiermedizinstudium sicher. Als ich dann mitten drin steckte, habe ich schnell gemerkt, dass dem nicht so ist. Wer Tierarzt werden will, ist nämlich oft nur ein sehr selektiver oder gar kein Tierfreund. Erzählt man das arglosen Freunden, wundern die sich, schließlich ist Tierarzt der Traumberuf jedes kleinen Mädchens, das gerne Tieren hilft.

Wer aber die Berufsordnung der Tierärzte liest, stolpert schon über den ersten Satz:

©uwemueller; Quelle: http://bit.ly/O4KNc6

Der Tierarzt/die Tierärztin (im folgenden “Tierarzt” genannt) ist berufen, Leiden und Krankheiten der Tiere zu verhüten, zu lindern und zu heilen, zur Erhaltung und Entwicklung eines leistungsfähigen Tierbestandes beizutragen, den Menschen vor Gefahren und Schädigungen durch Tierkrankheiten sowie durch Lebensmittel und Erzeugnisse tierischer Herkunft zu schützen und auf eine Steigerung der Güte von Lebensmitteln tierischer Herkunft hinzuwirken; damit dient er zugleich der menschlichen Gesundheit.

Leistungsfähiger Tierbestand?! Menschen vor Tierkrankheiten schützen?! Steigerung der Güte von Lebensmitteln tierischer Herkunft?!

Immerhin folgte bislang darauf der folgende Satz:

Der Tierarzt ist der berufene Schützer der Tiere.

Dieser Satz soll aber laut der Zeitschrift „Vet-Impulse“ nun aus der Musterberufsordnung der Bundestierärztekammer gestrichen werden. Der Tierarzt ist also auch auf dem Papier nicht mehr der berufene Schützer der Tiere.

Wundert’s irgendwen? Mich schon lange nicht mehr…

Immerhin gibt es erfreulicherweise auch innerhalb der Tierärzteschaft kritische Stimmen zu dieser Änderung. Es gibt also nach wie vor TierärztInnen, die sich als berufene Schützer der Tiere verstehen. Damit das auch so bleibt, sollte sich niemand davon abhalten lassen, diesen Beruf erlernen zu wollen, denn Tierärzte mit tierfreundlicher Berufsauffassung sind heute wichtiger denn je!

  • http://www.facebook.com/siasiaya Yamina Zina Z

    Wäre schön, aber da man heutzutage bei einem 2er Abi 6 oder 7 Jahre auf einen Platz warten mss, da nur die subjektive Abiturnote zählt, als beispielsweise der Erfahrungswert mit Tieren etc. kann man Tiere noch so gern haben. Den Traum muss man dann aber leider aufgeben.

  • http://lovingvegan.wordpress.com/ lovingvegan

    Das ist ja erschreckend! Echt traurig :(

  • Clarissa93

    Genau das war mein Problem, als ich vor der Entscheidung stand, ob ich vielleicht anstatt Human doch lieber Veterinärmedizin machen will. Leider hat ein Praktikum beim Tierarzt mir die Augen geöffnet.. Man ist so abhängig von den Tierbesitzern und von dem geringen Lohn, den man nur bekommt, wenn man freundlich zu Menschen ist, die ihren Tieren schlimmes antun ohne es wissen bzw ändern zu wollen. Ich finde es leichter als Humanmediziner Menschen zu behandeln, die häufig selbst an ihren Krankheiten Schuld sind als Tiere, die gar nichts dafür können. Und allein schon das Studium zeigt, wie wenig es dem Tierarzt um das Wohl der Tiere gehen soll. Es soll ihm anscheinend um den Nutzen der Tiere für den Menschen gehen.

  • Clarissa93

    Ich habe ein Praktikum gemacht, um zu erfahren ob Tiermedizin das Richtige ist und leider ist sie es nicht. Meine Tierliebe schien total fehl am Platz. Man muss den Besitzern nach dem Mund reden und freundlich sein, obwohl sie, ohne es wahr haben zu wollen, ihre Tiere quälen und häufig allein der Grund sind warum ihr Tier zum Arzt muss. Aber was soll der Arzt auch machen? Er muss auch seinem Unterhalt bestreiten und das geht nur wenn er den Leuten die Wahrheit nicht sagt. Schon im Studium sieht man: Es soll dem Tierarzt nicht um das Wohl der Tiere gehen sondern um den Nutzen den das Tier für den Menschen hat

  • http://www.facebook.com/sarah.nitzschke.5 Sarah Nitzschke

    Dieser Artikel spricht mir aus dem Herzen. Ich bin selber Tierärztin und war im Nutztierbereich tätig und genau dieser Grund, nur noch ein Rädchen im System und Handlanger der gewinnbringenden und ausbeutenden Nutztierhaltung zu sein und nach wirtschaftlichen Aspekten handeln zu sollen, war für mich ein wichtiger Beweggrund, mich nach meiner Kinderpause nicht wieder für diese Tätigkeit zu entscheiden. Ich lebe mittlerweile vegan und kann den Beruf als Tierärztin im Nutztierbereich nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren, zumal man in der rein gewinnorientierten Tierhaltung mit einer unwirtschaftlichen, weil einzeltierbezogenen Grundeinstellung keinerlei Gehör findet und auch keine Chance hat, etwas zu verändern. Das ist zum Beispiel im Kleintierbereich schon eher möglich.
    Es wäre ein Fehler diesen Satz zu streichen, auch wenn die Berufsordnung dann besser zum Berufsbild vieler Kollegen passen würde. Doch das ist bestimmt der falsche Ansatz, vielmehr muß uns Tierärzten endlich bewußt werden, welcher Verantwortung wir uns eigentlich verpflichtet haben !!!!! Wir arbeiten als praktische Tierärzte nicht für die Fleisch- oder Milchindustrie, sondern es ist unsere Aufgabe den Tieren zu helfen, und das um ihrer Selbst willen und nicht wegen ihres Warenwertes oder der Leistungsfähigkeit !!!!
    Wir sind in vielen Bereichen der Tierhaltung, vor allem im Bereich von Verordnungs-, Richtlinien- und Gesetztesfragen vielleicht die einzigen, die noch etwas bewegen und vor allem ändern könnten!

  • Rudas

    Oh ja wirklich schlimm wenn man als Tierarzt verhindert das sich Menschen mit Tollwut oder anderm infizieren.
    Die bösen, bösen Tierärzte.
    Wenn mein Hund totkrank ist geh ich sicher nicht mehr zu so einem Monster von Tierarzt =P

  • Rudas

    Oh ja wirklich schlimm wenn man als Tierarzt verhindert das sich Menschen mit Tollwut oder anderm infizieren.
    Die bösen, bösen Tierärzte.
    Wenn mein Hund totkrank ist geh ich sicher nicht mehr zu so einem Monster von Tierarzt =P